Zunehmende Sommerhitze markiert deutlichen Klimawandel


Roman Spirig
Schweiz / 02.07.20 16:12

Für die Wetterdienste der Schweiz, Deutschland und Österreichs steht der Klimawandel fest. Ein klarer Hinweis dafür sei die steigende Zahl von Hitzetagen und häufigere Hitzewellen im Sommer.

Zunehmende Sommerhitze markiert deutlichen Klimawandel (Foto: KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)
Zunehmende Sommerhitze markiert deutlichen Klimawandel (Foto: KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)

Was früher ein extrem heisser Sommer war, sei heute ein normaler, heisst, ein durchschnittlicher Sommer, hiess es am Donnerstag in einer gemeinsamen Mitteilung des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie Meteo Schweiz, des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Die stetige Erwärmung sei eines der deutlichsten Signale der Klimaänderung.

Auswertungen der drei Wetterdienste zeigten, dass die Sommer in allen Regionen und in allen Höhenlagen deutlich heisser geworden sind. Das Muster der Häufung ab dem Jahr 2001 sei in allen drei Ländern vergleichbar.

Selbst die kühlsten Sommer der letzten 25 Jahre seien meist deutlich über dem langjährigen Durchschnitt vor 1990 geblieben. Die Temperatur der extremsten Sommer vor 1990 seien in den letzten 30 Jahren zum normalen Sommerdurchschnitt geworden. Und Hitze-Extremata seien in den letzten 40 Jahren immer häufiger geworden.

In vielen grossen Städten komme es mittlerweile alle zwei bis vier Jahre zu einer markanten langen Hitzewelle. Darunter verstehen die Autoren eine Serie von mindestens 14 Tagen, an denen der Durchschnitt der täglichen Höchsttemperatur mindestens 30 Grad beträgt.

Für die Gesundheit besonders relevant sei die im Zusammenhang mit den immer häufigeren und längeren Hitzewellen immer geringere Abkühlung in den Nächten. Die Zahl der Tropennächte mit Tiefstwerten nicht unter 20 Grad habe in den letzten Jahren in den drei Ländern deutlich zugenommen, in der Schweiz vor allem im Süden.

Zur Hitzebelastung hinzu kommen laut den drei Wetterdiensten Dürreperioden, Starkregen, Waldbrandgefahr, Gletscherschmelze und das Auftauen des Permafrosts. Die oft ausgeprägte Sommertrockenheit sei eine Folge der zunehmend heisseren und verdunstungsintensiveren Sommer in der Schweiz.

Die Tendenz zu mehr Hitzesommern zeigt sich auch in der Entwicklung der Nullgradgrenze. Zwischen 1961 und 1990 lag sie in der Schweiz bei durchschnittlich knapp 3350 Metern über Meer. Seit 1960 steigt sie jedes Jahrzehnt um durchschnittlich 93 Meter. Heute ist eine Nullgradgrenze von 3800 Metern keine Seltenheit mehr.

Diese Entwicklung wird sich laut Mitteilung in den nächsten Jahrzehnten mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit fortsetzen. Wenn die Menschheit den Ausstoss von Treibhausgasen nicht drossle, würden Sommer, die heute extrem heiss seien, Ende des Jahrhunderts der Normalfall sein. Entsprechend noch extremer würden dannzumal die Ausreisser einzelner Sommer sein.

2060 werde sich in Genf die durchschnittliche Zahl der Hitze Tage von heute knapp drei Wochen auf rund fünf Wochen summieren, in Lugano von heute knapp zwei auf rund vier Wochen. Im schlechtesten Fall könnte es an der Messstation Bern-Zollikofen gegen Ende des Jahrhunderts bis zu 60 Hitzetage pro Jahr geben.

Falls es gelingt, die Pariser Klimaziele einzuhalten, könnte sich die Entwicklung der Hitzetage in den nächsten Jahrzehnten auf dem aktuell hohen Niveau stabilisieren, so die Prognose der drei Wetterdienste.

Für die Analysen standen den drei Wetterdiensten Messreihen seit 1767 (Österreich), 1864 (Schweiz) und 1881 (Deutschland) zur Verfügung.

(sda)


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