Zwei Häuser in Marseille eingestürzt - "Wettlauf gegen die Zeit"


Roman Spirig
International / 05.11.18 19:08

Mindestens zwei Menschen sind beim Einsturz zweier baufälliger Wohnhäuser im Zentrum von Marseille leicht verletzt worden. Es werden Todesopfer befürchtet. Am Montag wurde vergeblich nach möglicherweise Verschütteten gesucht.

Zwei Häuser in Marseille eingestürzt - Wettlauf gegen die Zeit  (Foto: KEYSTONE / AP / CLAUDE PARIS)
Zwei Häuser in Marseille eingestürzt - Wettlauf gegen die Zeit (Foto: KEYSTONE / AP / CLAUDE PARIS)

Der Wohnungsminister Julien Denormandie sprach vor der Presse von einem "Wettlauf gegen die Zeit". Wie mehrere Medien berichteten, zerstörten Einsatzkräfte am Montagabend ein drittes Gebäude, das ebenfalls einzustürzen drohte. Ermittler prüfen, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

Die beiden Häuser waren am Montagmorgen in der südfranzösischen Hafenstadt eingestürzt. Bei den beiden Verletzten handelte es sich um Passanten. Dutzende Anwohner anliegender Wohnungen wurden in Sicherheit gebracht. Die eingestürzten Häuser standen in einer kleinen Einkaufsstrasse im Zentrum der Stadt.

Eines der Häuser stand nach Angaben der Behörden leer, weil es baufällig war. In dem anderen Gebäude, in dem ebenfalls Bauarbeiten anstanden, lebten Minister Denormandie zufolge rund zehn Menschen. "Das sind die Menschen, nach denen wir jetzt suchen", sagte der Minister weiter.

"Was zählt ist, dass wir so wenig Todesopfer wie möglich finden", sagte der Bürgermeister von Marseille, Jean-Claude Gaudin. Allerdings gehe er davon aus, dass man Tote finden werde. Die Suche nach möglichen Opfern soll die ganze Nacht über fortgesetzt werden.

Auf Fotos und Videos waren nur noch Schutt und Trümmer zu sehen. In der engen Gasse lagen Geröllberge. Dutzende Rettungskräfte suchten mit Hunden nach möglichen Opfern. Auf Fotos auf Google Maps war zu sehen, dass die beiden Häuser grosse Risse an den Fassaden hatten.

"Dieser dramatische Unfall könnte auf die heftigen Regenfälle zurückzuführen sein, die in den vergangenen Tagen auf Marseille gefallen sind", hiess es von der Stadt.

Mehrere Oppositionsvertreter monierten die Wohnungspolitik der Stadt. "Es sind die Häuser der Armen, die zusammenstürzen - und das ist kein Zufall", sagte etwa der führende Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon nach Angaben mehrerer Medien. Mélenchon hat in Marseille seinen Wahlkreis und war am Montag zum Unglücksort gereist.

Augenzeugen berichteten, dass zum Zeitpunkt des Einsturzes Menschen in einem der Gebäude waren, hiess es bei der französischen Nachrichtenagentur AFP. "Ich wohne nebenan. Als ich ferngesehen habe, habe ich ein lautes Geräusch gehört, aber keine Explosion. Dann war da eine Rauchwolke", sagte ein Nachbar AFP.

Der Eigentümer einer Wohnung in einem der eingestürzten Häuser erzählte demnach, dass in dieser Woche Arbeiten an dem rund 200 Jahre alten Haus geplant gewesen seien.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Capela siegt erneut, Sefolosha wieder nur Zuschauer
Sport

Capela siegt erneut, Sefolosha wieder nur Zuschauer

Die Houston Rockets nehmen nach einem schlechten Saisonstart langsam Fahrt auf. Das 132:112 zuhause gegen die Sacramento Kings war für das NBA-Team des Schweizers Clint Capela bereits der vierte Sieg in Folge.

Immer weniger Fische im Bodensee - Sind Aquakulturen die Rettung?
Regional

Immer weniger Fische im Bodensee - Sind Aquakulturen die Rettung?

Für Laien klingt es bizarr: Weil der Bodensee so sauber geworden ist, gibt es immer weniger Fische. Muss der See jetzt wieder schmutziger werden – oder gibt es andere Wege?

Biel - Davos: Davos dreht Spiel nach 0:2-Rückstand
Regional

Biel - Davos: Davos dreht Spiel nach 0:2-Rückstand

Der HC Davos scheint in der ersten Nationalmannschaftspause doch Aufwind gefunden zu haben. Nach einer (unbelohnten) halbwegs gelungenen Leistung gegen Lausanne (0:1) am Freitag steigerte sich der HCD 24 Stunden später bei Leader Biel zu einem 7:2-Sieg.

Eine Tote und 229 Verletzte bei Spritpreis-Demos in Frankreich
International

Eine Tote und 229 Verletzte bei Spritpreis-Demos in Frankreich

Bei Protesten und Strassenblockaden wegen hoher Spritpreise ist in Frankreich eine Frau ums Leben gekommen. Mindestens 229 wurden verletzt, sieben von ihnen schwer, wie das französische Innenministerium am Samstagabend mitteilte.