Stadt Luzern bessert bei Begegnungszone auf der Bahnhofstrasse nach
Wo früher eine breite Strasse mit einem Velostreifen der Reuss entlang an den Bahnhof Luzern führte, präsentiert sich am Dienstagvormittag ein neues Bild. Der asphaltierte Teil der Bahnhofstrasse ist schmal, Fussgängerinnen und Velofahrer kreuzen sich, nur noch Zubringer dürfen mit dem Auto darauf fahren. Zuweilen gibt es Personengruppen, die auch mal auf der Fahrbahn stehen bleiben und sich umschauen, während Velos um sie herum manövrieren müssen. Eine dieser Gruppen: Der Medienrundgang mit dem städtischen Mobilitätsdirektor Marco Baumann (FDP) und der Co-Leiterin Mobilität, Sibylle Lehmann.
Baumann betont, dass die heutige Bahnhofstrasse, deren Umgestaltung vom Stimmvolk bereits 2013 mit der Annahme einer SP-Initiative in die Wege geleitet wurde, deutlich attraktiver ist als die alte. Das 8,5 Millionen Franken teure Projekt habe für eine Aufwertung gesorgt. Dennoch bleiben Herausforderungen: «Es funktioniert nicht alles gut», räumt Lehmann ein. Um die Situation zu verbessern, will die Stadt Massnahmen ergreifen und ab November umsetzen.
Fuss- und Veloverkehr im Konflikt
Eins der Probleme: Fuss- und Veloverkehr kommen sich zuweilen in die Quere. So etwa entlang der der Reuss zugewandten Mauer des Luzerner Theaters. Dort bleiben Fussgängerinnen und Fussgänger gerne stehen, um sich zu orientieren, wie Lehmann ausführt. Velofahrende müssen ausweichen. Um die Sicherheit zu erhöhen, will die Stadt deshalb eine Bodenmarkierung anbringen, damit die Velos nicht zu nahe am Luzerner Theater vorbeifahren.
Das neue Verkehrsregime auf der Bahnhofstrasse ist zum Teil noch nicht verinnerlicht, so Lehmann weiter. «Viele Leute haben das Gefühl, es sei ein Fussgängerzone.» Andererseits wird moniert, dass Velofahrende zu schnell unterwegs sind und damit andere gefährden. Das «respektvolle Miteinander» will die Stadt nun mit Plakaten und Bodenmarkierungen fördern.
Flanierzone ohne Flaneure
Wie viel es braucht, damit gewünschte Änderungen im Verhalten der Nutzenden der Strasse tatsächlich umgesetzt werden, zeigt sich auch näher am Bahnhof. Auf der Reussseite gibt es Mergelflächen, wo früher die asphaltierte Strasse noch bis zum Trottoir reichte. Dort sollen Menschen flanieren und am Rand zur Strasse ihr Velo abstellen können. «Das wird von den Leuten so nicht angenommen», sagt Lehmann. Während kaum jemand spaziert, stehen stattdessen zwei, zuvorderst bei der Seebrücke sogar drei, Reihen von abgestellten Velos auf der Mergelfläche. Die Fussgängerinnen und Fussgänger nutzen lieber die asphaltierte Strasse oder das Trottoir am Fluss. Die Stadt habe schon verschiedene Massnahmen ausprobiert, um das Flanieren attraktiver zu machen. Nun will sie die Abstellmöglichkeiten für Velos umgestalten, damit diese nicht mehr so viel Raum einnehmen. So soll die Flanierzone einladender werden.
Weitere Massnahmen betreffen die Verlagerung der Nextbike-Station für die Ausleihvelos, welche wieder näher an den Bahnhof rücken soll. Aber auch der Veloordnungsdienst der Caritas sowie die Polizei sollen zur besseren Einhaltung der neuen Regeln beitragen.
«Zahlreiche Rückmeldungen»
Dass Handlungsbedarf bestehe, habe die Stadt erkannt, auch schon bevor auf politischer Ebene Druck gemacht wurde, sagte Marco Baumann im Gespräch mit den Medienschaffenden. In der vergangenen Woche überwies der Grosse Stadtrat ein Postulat aus der FDP-Fraktion und verlangte damit Massnahmen. Der Stadtrat erhalte zudem «zahlreiche Rückmeldungen» zu dem neuen Verkehrsregime: Ob von Fussgängerinnen, Velofahrern, Verbänden, selbst von Personen aus anderen Städten, wie Baumann erzählte. Die Stadt will bei der Umgestaltung der Bahnhofstrasse weiter «das Gefühl der Leute ernst nehmen», so Lehmann. Wie bei solchen Projekten üblich, würden aber besonders oft jene Leute Rückmeldungen geben, denen etwas nicht gefällt.