Experten befürchten im Sudan Massaker an Zivilisten
Am Montag hatte die sudanesische Armee ihren Rückzug aus der umkämpften Stadt bestätigt. Damit haben die Rapid Support Forces (RSF) die letzte von der Armee kontrollierte Stadt in Darfur eingenommen. Al-Faschir war mehr als 500 Tage von den RSF belagert worden. Die Miliz hatte verhindert, dass Lebensmittel und Hilfsgüter die hungernden Menschen erreichen. Die UN beschreiben die Lage in dem Land als die grösste humanitäre Krise der Welt.
Die RSF hatte erklärt, sie wolle die Zivilisten in Al-Faschir schützen und denjenigen, die die Stadt verlassen wollen, sichere Korridore zur Verfügung zu stellen. Das UN-Menschenrechtsbüro gab jedoch an, «mehrere alarmierende Berichte» über Gräueltaten der RSF erhalten zu haben, darunter Hinrichtungen von Zivilisten, sowie Videos, die Dutzende unbewaffnete Männer zeigen, die erschossen wurden.
Vorwürfe gegen die Emirate
Experten kritisieren, dass westliche Regierungen bislang nur Appelle an die Miliz richteten und keine Sanktionen gegen sie unterstützende Staaten verhängten. «Es ist ein weiterer Freibrief an die RSF, an ihre Unterstützer in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass sie solche Massenhinrichtungen und ethnische Säuberungen durchführen können, ohne mit internationalen Massnahmen rechnen zu müssen», sagte Annette Hoffmann von der Denkfabrik Clingendael Institut im ZDF.
Die VAE weisen eine Einmischung in den Konflikt zurück. Das «Wall Street Journal» berichtete allerdings unter Berufung auf US-Geheimdienste, die VAE hätten in diesem Jahr zunehmend Waffen an die RSF geliefert, darunter moderne chinesische Drohnen, aber auch Maschinengewehre, Fahrzeuge, Artillerie, Mörser und Munition. Dies sei das jüngste Beispiel dafür, wie die Emirate ihre Macht ausspielten, um ihre Interessen durchzusetzen.
Tom Fletcher, der Leiter des Nothilfebüros der Vereinten Nationen (Ocha), sagte dem Sender CNN, weiterhin seien Hunderttausende Zivilisten in Al-Faschir eingeschlossen, ohne Nahrung und medizinische Versorgung. Er berichtete, dass die Fluchtwege aufgrund «intensiver Bombardierungen und Bodenangriffe» blockiert seien.
Auch Experten der Krisenbeobachtungsgruppe ACLED erklärten, es bestehe ein «hohes Risiko ethnisch motivierter Angriffe, insbesondere gegen nicht-arabische Gruppen». Auch in anderen Teilen der westlichen Region Darfur hatte die RSF bei der Einnahme von Gebieten schwere Verbrechen begangen.
Im Sudan herrscht seit April 2023 ein blutiger Machtkampf zwischen De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und seinem einstigen Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo, der die RSF kommandiert. Die Miliz ist aus arabischen Reitermilizen hervorgegangen, denen – damals gemeinsam mit der sudanesischen Armee - ein Genozid an der ethnisch-afrikanischen Bevölkerung in Darfur mit bis zu 300.000 Toten vorgeworfen wird.