Kriegsverbrechen: 25 Jahre Haft für Kosovos Ex-Präsident
Der 58-jährige Thaci hatte sich zuvor als «vollständig unschuldig» bezeichnet. Das Urteil, das der Vorsitzende Richter Charles Smith am Mittwoch verlas, nahm er äusserlich ungerührt entgegen. Für die Kriegsverbrechen, die Ende der 1990er begangen wurden, hatte die Anklage für Thaci 45 Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung forderte Freispruch. Knapp 300 Zeugen hatten in dem Prozess ausgesagt, 155 Opfer waren an dem Verfahren beteiligt.
Der Anklage zufolge gehörten Thaci und drei Mitangeklagte der Führungsriege der kosovo-albanischen Befreiungsarmee (KLA) an, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben soll. Thaci war zwischen 2008 und 2020 Ministerpräsident, Aussenminister und Präsident des Kosovo. Er war von seinem Amt zurückgetreten, um sich dem Gericht in Den Haag zu stellen. Alle vier Angeklagten hatten führende Positionen in der KLA und nach dem Krieg hohe politische Ämter inne.
Die KLA hatte von 1998 bis 1999 gekämpft, um die Unabhängigkeit des vorwiegend von Albanern bewohnten Kosovos von Serbien zu erlangen. Das gelang schliesslich mit Hilfe der Nato. Das Sondertribunal wurde auf internationalen Druck 2015 eingerichtet. Es gehört zum Justizsystems des Kosovos, ist aber besetzt mit internationalen Richtern und Anklägern. Es war aus Sicherheitsgründen nach Den Haag verlegt worden. Thaci kann gegen das Urteil Berufung einlegen.