Serbien gedenkt der Opfer des Bahnhofsunglücks von Novi Sad
Dach begrub Wartende unter sich
Am 1. November 2024 war um 11:52 Uhr die Fassade des frisch renovierten Bahnhofsdaches wie aus dem Nichts eingestürzt. Die Trümmer begruben vor dem Bahnhof wartende Menschen unter sich. 14 von ihnen starben an Ort und Stelle, unter ihnen zwei 6-jährige Kinder und zwei weitere Minderjährige. Eine 24-Jährige erlag Tage später, ein 18-Jähriger Monate nach dem Unglück im Krankenhaus ihren jeweiligen schweren Verletzungen.
Eine unabhängige Enquete-Kommission führte die Ursachen des Unfalls auf die krasse Missachtung von Vorschriften bei der Renovierung des Daches und auf Korruption bei der Auftragsvergabe zurück. Die von Vucic kontrollierten Teile der Justiz sabotierten die Bemühungen der Strafbehörden, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Bis jetzt liegt keine gerichtlich bestätigte Anklage vor. Ins Visier der Ermittler waren unter anderen der damalige Bautenminister Goran Vesic, Mitarbeiter seines Kabinetts sowie das Management der Serbischen Eisenbahnen geraten.
Protestbewegung stürzte Vucic
Die ausgebliebene juristische Aufarbeitung der Tragödie befeuerte die entstandene Protestbewegung. Getragen wurde sie von Studentinnen und Studenten, die ihre Universitäten besetzten, zu Strassen- und Verkehrsblockaden aufriefen und sich politisch organisierten. Immer mehr Bürger im ganzen Land schlossen sich der Bewegung an.
Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am letzten Sonntag errang die von der Bewegung aufgestellte Studentenliste einen klaren Sieg über die Vucic-Partei SNS. Die Liste, auf der keine Studierenden, sondern von ihnen ausgesuchte Experten und Prominente stehen, wird die nächste Regierung bilden. Die Aufklärung der strafbaren Umstände, die zur Tragödie von Novi Sad geführt haben sollen, war ein zentraler Punkt ihres Wahlprogramms. Das Gedenken an die 16 Toten übertrug das staatliche Fernsehen RTS live.