Vor Stichwahl: Lula und Bolsonaro kämpfen um letzte Stimmen
«Ich bin überzeugt, dass die brasilianische Gesellschaft einen strukturellen Wandel will, der Brasilien auf den richtigen Weg bringt - die brasilianische Gesellschaft will keinen Rückschritt», sagte Lula vor Tausenden Anhängern auf der Avenida Paulista in São Paulo. Zuvor fuhr der 80-Jährige bei strahlendem Sonnenschein auf einem Lautsprecherwagen an der weltbekannten Copacabana in Rio de Janeiro entlang.
Flávio Bolsonaro mobilisierte unterdessen Anhänger zunächst in Belo Horizonte. Bei einer von lauter Musik begleiteten Motorradrundfahrt fuhr der 45-Jährige auf einem Lastwagen mit. Am Nachmittag trat der Senator in Rios Nobelviertel Barra da Tijuca auf. «Ich bin jetzt noch überzeugter davon, dass Brasilien morgen um diese Zeit bereits einen neuen Präsidenten haben wird», sagte er vor Tausenden jubelnden Anhängern.
Sozialpolitik gegen konservativer Kurs
Lula von der linken Arbeiterpartei PT steht für Sozialprogramme und staatliche Investitionen. Flávio Bolsonaro von der rechten Liberalen Partei PL verspricht einen konservativen Kurswechsel und ein härteres Vorgehen gegen Kriminalität. Zudem will er eine Amnestie für seinen Vater erreichen. Der frühere Präsident Jair Bolsonaro war wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt worden und steht derzeit unter Hausarrest.
Rund 159 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag dazu aufgerufen, über die politische Zukunft des grössten Landes Lateinamerikas zu entscheiden. In der ersten Wahlrunde erhielt Flávio Bolsonaro etwa 47 Prozent der gültigen Stimmen, Lula kam auf 45 Prozent. Vor der Stichwahl sehen mehrere politische Beobachter den rechten Politiker im Vorteil. Umfragen sagen jedoch ein knappes Rennen voraus.