ZSC-Coach Marco Bayer im Interview vor dem Playoff-Start
Die ZSC Lions starten am Samstag als Titelverteidiger in die Playoff-Viertelfinals gegen den HC Lugano. Nach einer durchzogenen Qualifikation, die von Verletzungen und dem «Meister-Blues» geprägt war, beschwört Cheftrainer Marco Bayer pünktlich zum Start den Teamgeist. Im Interview spricht er über den Traum vom Titel-Hattrick, die eigene Wackelpartie im Herbst nach einer langen Niederlagenserie und den «Crunchtime-Modus» seiner Mannschaft.
Marco Bayer, am Samstag geht es los. Sind Sie und Ihr Team gerüstet?
«Ja, wir sind bereit. Bis auf Thierry Bader, der leider für die gesamten Playoffs ausfällt, haben wir alle Mann an Bord. Ich spüre eine richtige Aufbruchstimmung und habe grosses Vertrauen in die Spieler. Die Erfahrung zeigt, dass wir genau wissen, wann es zählt.»
Wie blicken Sie auf die bisherige Saison zurück? Es war ein Auf und Ab.
«Ja, es war ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt. Wir hatten viele Verletzte, was uns Konstanz gekostet hat. Dazu kam der «Meister-Blues». Das darf man nicht wegdiskutieren, auch wenn das nicht alle verstehen können. Wenn man zwei Jahre lang fast alles gewinnt, die Champions Hockey League, zweimal den Meistertitel, dann ist es mental extrem schwierig, die Leistung immer hundert Prozent abzurufen.»
Wie rüttelt man eine Mannschaft in so einem Moment wieder wach?
«Wir haben ein grosses Ziel: Wir wollen Geschichte schreiben. In der Neuzeit des Eishockeys hat es kaum ein Team geschafft, dreimal in Serie Meister zu werden. Diese Mission ist fast unmöglich, aber wir wollen sie möglich machen. Der Wille in der Mannschaft ist enorm. Aber wir sind gut beraten, uns jetzt erst einmal auf den Start am Samstag zu konzentrieren und von Spiel zu Spiel zu denken.»
Was stimmt Sie positiv, dass dieser historische Coup gelingen kann?
«Die Qualität und die Breite des Kaders. Wir sind auf allen Positionen hervorragend besetzt und verfügen über enorme Erfahrung. Wir müssen jetzt den Flow finden. Das ist nach der knapp zweiwöchigen Pause nicht einfach, aber Lugano geht es genauso. Ich erwarte eine enge und lange Serie.»
Was erwarten Sie taktisch?
«Es ist das Duell Vierter gegen Fünfter, da liegen nur zwei Punkte dazwischen. Lugano ist kompakt, aggressiv und hat sich stabilisiert. Am Ende werden Details entscheiden: Powerplay, Boxplay, Disziplin. Aber ich glaube, dass wir mit unserer Erfahrung ein kleines Plus auf unserer Seite haben.»
In dieser Saison gab es viele Trainerwechsel. Auch Sie standen im Herbst nach acht Niederlagen in Serie unter Druck. Wie sind Sie damit umgegangen?
«Das ist Teil des Geschäfts. Der Trainer ist oft das schwächste Glied. Es tut mir leid für die Kollegen, die es getroffen hat. Hätten wir Ende Oktober in Kloten verloren, wäre ich vielleicht heute auch nicht mehr ZSC-Trainer. Ich bin der Klubleitung, dem Sportchef und dem CEO dankbar, dass sie das Vertrauen in mich und meinen Staff behalten haben. Ich denke, ich konnte in dieser Phase die richtigen Knöpfe drücken. Für mich persönlich war das extrem lehrreich.»
Wie nehmen Sie die Mannschaft im Vergleich zum Playoff-Start vor einem Jahr wahr?
«Ganz ehrlich: Ich sehe keinen Unterschied. Sobald die «Crunchtime» kommt, legt dieses Team einen Schalter um. Das habe ich letztes Jahr gespürt und das spüre ich jetzt wieder. Die Mannschaft weiss genau, worum es geht.»