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Beim SCB bleibt auf der Suche nach Erfolg kein Stein auf dem andern

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Beim SCB bleibt auf der Suche nach Erfolg kein Stein auf dem andern

15. September 2026, 04:01 Uhr
Trainer Serge Aubin will mit den SC Bern wieder an die Spitze führen
© KEYSTONE/KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
Nach Jahren des sportlichen Niedergangs wagt der SC Bern unter dem neuen CEO Jürg Fuhrer und Erfolgscoach Serge Aubin einen radikalen Neuanfang.

Mit einer neuen Spielphilosophie soll der Traditionsklub zurück an die nationale Spitze geführt werden.

Es gibt Bilder, die bleiben. Ein 0:4 in Rapperswil, eine johlende Heimkurve des Gegners, und irgendwo in der Fankurve des SC Bern ein Transparent, das durch die sozialen Netzwerke rauscht: «Als Spieler top, als Sportchef flop.» Adressiert an Martin Plüss - jenen Mann, der einst als Captain den Meisterkübel stemmte und nun als Sportdirektor dabei zusehen musste, wie sein Klub im Play-in scheiterte. Es war der vorläufige Tiefpunkt eines Klubs, der einst das Schweizer Eishockey dominiert hatte.

Der SC Bern, 16-facher Meister, einstiger Rekordzuschauer-Klub Europas, das Team mit der legendären Stehrampe und der treuesten Fanbasis des Landes - dieser SC Bern spielt seit sieben Jahren nicht mehr um den Meistertitel, sondern gegen den eigenen Niedergang. Seit dem letzten Meistertriumph 2019 hat der Klub keine einzige Playoff-Serie mehr gewonnen. Neun Trainer standen in dieser Zeit an der Bande, Millionenverluste wurden eingefahren, ganze Führungsetagen umgebaut. Was blieb, war eine Mannschaft, die zuletzt nicht mehr mutig, sondern ängstlich Hockey spielte - im «Überlebensmodus», wie es der Klub selbst nannte. Diese «Angst-Saison» endete im März mit dem Debakel in Rapperswil, mit einer öffentlichen Entschuldigung des Vereins an seine Fans und mit der bitteren Erkenntnis, dass Tradition allein längst keine Erfolge mehr garantiert. Der SC Bern brauchte nicht irgendeine neue Saison. Er brauchte einen Neustart.

Ein Emmentaler beerbt eine Legende

Sinnbildlich für diesen Umbruch steht der Abschied des Mannes, der den SCB fast drei Jahrzehnte lang verkörperte. Ende April trat CEO Marc Lüthi nach 28 Jahren von allen Ämtern zurück - der Lüthi, der Klartext sprach, Trainer reihenweise feuerte und den Klub nach einer Nachlassstundung wirtschaftlich wieder aufbaute. Sieben Meistertitel gewann der SCB unter seiner Ägide. «28 Jahre sind genug», sagte Lüthi bei seinem Abgang, betont nüchtern und ohne die Emotionen, für die er sonst bekannt war. Auch seine Anteile an der SCB Group gab er ab - ein kompletter Rückzug, wie er ihn selbst nannte.

Seine Nachfolge trat der bisherige Verwaltungsrat Jürg Fuhrer an, ein Unternehmer aus dem Emmental, der über Jahrzehnte ein Logistikunternehmen für Heimtierbedarf aufgebaut hatte, ehe er sich am 1. Mai an die Spitze des SC Bern setzte.

Der Kontrast zum Vorgänger könnte grösser kaum sein: Wo Lüthi impulsiv und laut war, gibt sich Fuhrer als ruhiger Analytiker - «kein emotionaler Mensch», wie er selbst sagt. «Brainmaster» stand auf einem Schild in seinem alten Büro. An Fuhrers Seite steht seit der Reorganisation Pascal Signer als neuer Chief Hockey Officer, mit der sportlichen Gesamtverantwortung über NL-Team, Frauen und Nachwuchs - eine Struktur, die es beim SCB so noch nie gegeben hat. Fuhrer und Signer sind die starken Männer eines Klubs, der sich neu erfindet.

Dass dieser Neuanfang nötig ist, zeigte sich auch in der Bilanz: An der Jahresmedienkonferenz im August musste der Verwaltungsrat eingestehen, dass die Saison 2025/26 nicht nur sportlich enttäuschend verlief, sondern auch mit einem Verlust von 175'794 Franken abgeschlossen wurde. Dies trotz einer Stadionauslastung von über 91 Prozent und mehr als 12'000 verkauften Saisonabonnements. Die Verbundenheit der Fans ist also ungebrochen, das Vertrauen in die sportliche und wirtschaftliche Führung war es zuletzt nicht mehr. «Der eingeschlagene Weg wird Zeit brauchen. Entscheidend ist, dass wir ihn konsequent verfolgen», sagte Fuhrer an jenem Tag.

Der Hoffnungsträger aus Berlin

Wenn es einen Namen gibt, der im SCB-Umfeld derzeit für vorsichtigen Optimismus sorgt, dann ist es Serge Aubin. Der 51-jährige Kanadier kommt nicht als Hoffnungsträger, sondern als nachweislich erfolgreichster Trainer seiner Generation: Fünf Meistertitel gewann er in den vergangenen sieben Jahren mit den Eisbären Berlin, dreimal in Serie zuletzt. Seit 2019 hat Aubin keine einzige Playoff-Serie mehr verloren, 15 in Folge gewonnen. Selbst als Berlin 2023 die Playoffs verpasste, hielt der Klub an ihm fest - eine Kontinuität, die sich auszahlte und die dem SCB, der seit 2019 acht Trainer verschliss, fremd geworden war. Dass Aubin trotz eines bis 2028 laufenden Vertrags in Berlin nach Bern wechselte und dort einen Dreijahresvertrag bis 2029 unterschrieb, wird intern als Coup gewertet.

Was Aubin dem SCB bringen soll, umschreibt Sportdirektor Martin Plüss unmissverständlich: eine neue Spielphilosophie. «Es ist sicher wichtig, dass die Mannschaft mit Energie und mutig spielt und aktiv ist», sagt Plüss. Das ist ein deutlicher Bruch mit der Vorsaison, in der man, wie er selbst einräumt, «auch mit den zum Teil vielen Verletzungen im Überlebensmodus war und versuchte, so solide wie möglich zu sein». Aktiver, intensiver, mit mehr Energie: Diese drei Attribute sollen die neue SCB-Handschrift werden, unter einem Trainer, der in Berlin für ein modernes System mit hohem Tempo und aggressivem Forechecking bekannt wurde.

Ganz euphorisch will Plüss dennoch nicht werden - dafür hat der SCB in den letzten Jahren zu oft Vorschusslorbeeren mit Enttäuschung bezahlt. In den ersten Testspielen der Vorbereitung zeigte sich sein Team gegen die SCL Tigers noch «zögerlich» und «unsicher», ehe die Auftritte gegen Ingolstadt und Augsburg überzeugender ausfielen.

Letzte Woche folgten zum Abschluss der Vorbereitung zwei Siege gegen Biel und die ZSC Lions. Die Zürcher sind am Dienstag auswärts auch der erste Gegner des SCB zum Saisonauftakt. Die Einordnung des Sportdirektors bleibt nüchtern: «Ich glaube, die Richtung stimmt. Aber logischerweise brauchen die Feinheiten Zeit. Es braucht das Vertrauen», sagt Plüss. Es ist der Satz eines Mannes, der weiss, dass der SC Bern nach Jahren des Darbens nicht über Nacht wieder zum Erfolg finden wird, sondern dass der Weg dorthin, wenn überhaupt, ein langer sein wird.

Aubins offene Rechnung

Im Herbst 2018 war Aubin der Wunschkandidat der ZSC Lions. Nur vier Monate später musste der Kanadier seine Zelte in Zürich jedoch aufgrund ausbleibenden Erfolgs bereits wieder abbrechen. Was blieb, waren Zweifel, ob Aubin den Aufgaben eines Trainers gewachsen sein würde - gerade in einem eher unruhigen Umfeld wie in Zürich, wo Erfolge und Titel über allem stehen. Für Aubin war es der tiefste Punkt seiner bisherigen Trainerkarriere in Europa - aber offenbar auch ein Wendepunkt. «Es ist damals nicht so gelaufen, wie ich das wollte. Aber ich habe daraus viel gelernt», sagt er heute rückblickend.

In Berlin habe sich anschliessend eine neue Tür für ihn aufgetan, sagt Aubin, der überzeugt ist: «Ich bin in den letzten sieben Jahren zu einem besseren Coach geworden.» Aubin sagt es zwar nicht explizit, aber seine Rückkehr in die Schweiz ist für ihn auch eine Chance, das zu zeigen, was ihm 2019 verwehrt blieb. Und für den SC Bern soll er mehr sein als nur der nächste Name auf einer langen Liste gescheiterter Trainerexperimente.

Vielleicht wird irgendwann im April im Block der SCB-Fans auf einem Transparent abzulesen sein, ob dieses Vorhaben gelingt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 15. September 2026 04:01
aktualisiert: 15. September 2026 04:01