Bundesrat Pfister spricht in Rorschach SG über den «Rorschachtest»
«Wer ein richtiger Bundesrat werden will, der muss in Rorschach gesprochen haben», sagte Bundesrat Martin Pfister (Mitte) zu Beginn seiner Rede anlässlich der Bundesfeier auf der Arionwiese am Freitagabend.
Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) spielte darauf an, dass immer wieder Mitglieder des Bundesrats ihren Weg nach Rorschach im Kanton St. Gallen finden. Vor einem Jahr etwa war Bundesratskollegin Elisabeth Baume-Schneider (SP) in der Stadt am Bodensee.
Rorschach sei der ideale Ort, um auf die Schweiz zu blicken, fuhr Pfister fort. «Denn was wir heute im ganzen Land tun, ist im Grunde nichts anderes als ein Rorschachtest. Jener berühmte psychologische Test mit den Tintenklecksen.»
Alle bekämen dasselbe Bild zu Gesicht und dennoch sehe jede und jeder etwas anderes, so der Bundesrat. Gleich verhalte es sich mit der Schweiz. «Der Trick des Rorschachtests ist - ein Psychologe hat es mir verraten - sich nicht auf einzelne Details zu konzentrieren, sondern das grosse Ganze im Auge zu behalten», so Pfister.
Auch wenn das Gesamtbild, das die Welt derzeit abgebe, einem den Mut nehmen könne, sehe er in der Schweiz regelmässig Szenen der Hoffnung. Pfister verwies etwa auf den Musikverein Blatten. «Ausser zehn Instrumenten und sechs Uniformen ging alles verloren», so Pfister mit Bezug auf den Bergsturz, bei dem das Dorf Blatten VS im Mai 2025 weitgehend zerstört wurde.
Konflikt um Tickets auf dem Bodensee
Dank grosser Solidarität aus der ganzen Schweiz hätten die Instrumente rasch ersetzt werden können, sodass der Verein am eidgenössischen Musikfest in Biel auftreten konnte. «Die Musikgesellschaft Blatten gewann vor einigen Wochen in Biel den ersten Preis.»
Neben der Solidarität zeichne die Schweiz auch aus, dass Diskussionen intensiv geführt würden. «Es gibt Unterschiede, aber keine unüberwindbaren Gräben», so Pfister weiter.
Auch hier zeige die Region, wie das gelingen könne. Schliesslich hätten die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt AG und die deutsche Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH ihren kürzlichen Streit um die Tarife auch wieder beigelegt. Der Bundesrat nahm damit Bezug auf einen Konflikt, bei dem die Schweizer Seite die Tickets der Deutschen zwischenzeitlich nicht mehr anerkannte.