Die Oldies prägen das Turnier der Jugend
Ab Samstag (Qualifikation) respektive Montag (Hauptfeld) blickt die Tenniswelt wieder nach Basel. Gut 60'000 Zuschauer werden in die St. Jakobshalle pilgern. Das muss man zu den 55. Swiss Indoors in Basel wissen.
WAWRINKAS DERNIERE. Im Mittelpunkt steht zumindest an den ersten zwei Tagen Stan Wawrinka. Der 41-jährige Waadtländer wird seinen letzten Ernstkampf in der Schweiz und aller Wahrscheinlichkeit nach überhaupt bestreiten. In Lyon gewann der dreifache Grand-Slam-Champion diese Woche erstmals seit Februar wieder gegen einen Spieler aus den Top 100 und zeigte sich so kompetitiv und engagiert wie eh und je. Die Konkurrenz in Basel ist allerdings stark, und Wawrinkas Bilanz mit zwei Halbfinals relativ bescheiden. Die Fans werden ihm aber noch einmal einen begeisterten Empfang bereiten. Bereits am Montag wird der Romand mit einer Hommage gebührend gefeiert, am Dienstag steht er in der 1. Runde im Einsatz.
DIE KONKURRENZ AUS WIEN. In den letzten Jahren lief das in der gleichen Woche stattfindende Turnier in der Stadthalle von Wien den Swiss Indoors zunehmend etwas den Rang ab. Nach dem Rücktritt des Magneten Roger Federer fehlte in Basel ein Superstar mit dessen Strahlkraft. Wien hingegen konnte auf den Südtiroler Jannik Sinner als Stammgast zählen, und auch Alexander Zverev veredelt nun das Turnier auf einem neuen Niveau. Dem Deutschen könnten kommende Woche die Schlagzeilen gehören, weil er mit dem Erreichen der Viertelfinals die neue Nummer 1 wäre. Auch Carlos Alcaraz schlägt neu in Österreich auf. Basel konterte, indem es auf die aufstrebenden jungen Spieler der «Next Generation» setzte und dafür zum Beispiel im letzten Jahr mit dem Sieg des hochtalentierten João Fonseca belohnt wurde.
DER COUP MIT DJOKOVIC. Nun aber gelang mit der kurzfristigen Verpflichtung von Novak Djokovic ein veritabler Coup, der dem starken Teilnehmerfeld die Krone aufsetzt. Der erfolgreichste Spieler der Geschichte schlägt erstmals seit fünfzehn Jahren wieder in Basel auf, 2009 gewann er das Turnier nach einem Finalsieg gegen Federer zum bislang einzigen Mal. Mit seinem Turniersieg in Peking stellte der Serbe vor zwei Wochen unter Beweis, dass er auch mit 39 Jahren noch immer zu Grossem fähig ist. Als aktuelle Nummer 12 kämpft er noch um die Qualifikation für die ATP Finals. Wichtiger dürften ihm aber weitere ATP-Titel sein. Mit nun 102 liegt Djokovic noch einen Titel hinter Federer und deren sieben hinter dem Rekordmann Jimmy Connors.
ZWEI TOP-TEN-SPIELER. Die Schlagzeilen gehören zunächst den Oldies Wawrinka und Djokovic, doch die Jungen sind auch diesmal stark vertreten. Mit dem 24-jährigen US-Open-Finalisten Ben Shelton (ATP 4), vor zwei Jahren auch in Basel Finalist, und dem noch zwei Jahre jüngeren Franzosen Arthur Fils (ATP 8) stehen zwei Top-Ten-Spieler im Feld. Besonders gespannt darf man auch auf den ersten Swiss-Indoors-Auftritt des 20-jährigen Spaniers Rafael Jodar sein. Er erlebt einen kometenhaften Aufstieg und verbesserte sich in seinem ersten vollen Profijahr von Platz 168 auf 11 der Weltrangliste. Ihm trauen viele einen ähnlichen Weg zu wie seinen Landsleuten Rafael Nadal und Carlos Alcaraz.
DIE WEITEREN SCHWEIZER. Das Schweizer Männertennis macht aktuell eine schwierige Phase ohne einen Vertreter in den Top 100 durch. Zum dritten Mal in Folge schaffte es kein Schweizer aufgrund seines Rankings ins Hauptfeld. Ebenfalls drei Jahre ist es her, seit mit Dominic Stricker (ATP 253) ein Spieler von Swiss Tennis an den Swiss Indoors zwei Partien gewann. Der Berner profitiert auch diesmal neben Wawrinka (ATP 151) und dem Fricktaler Jérôme Kym (ATP 222) von einer Wildcard. Über die Qualifikation kamen noch wie im Vorjahr Rémy Bertola (ATP 236) und als Lucky Loser der Einheimische Mika Brunold (ATP 191) dazu. So oder so braucht es für jeden Schweizer Sieg einen Exploit.
DARUM GEHT ES IN BASEL. Das Gesamtpreisgeld der Swiss Indoors beträgt gut 2,58 Millionen Euro. Dem Sieger winkt ein Check über 483'335 Euro sowie 500 Punkte im ATP-Ranking. Die 1. Runde des Hauptfelds beginnt am kommenden Montag, der Final beschliesst das Turnier am Sonntagnachmittag.