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Franz Gertschs wuchtige Werkschau geht in Burgdorf weiter

Ausstellung

Franz Gertschs wuchtige Werkschau geht in Burgdorf weiter

17. September 2026, 11:20 Uhr
Bei Franz Gertsch lässt schon nur die präzise Darstellung der Haare staunen, wie hier im Gemälde «Johanna I» (1983-84) aus einer vergangenen Ausstellung. Johanna Dichand ist eine der porträtierten Frauen, die in der neuen Schau «Blow-Up (Part II)» in Burgdorf zu sehen sind. (Archivbild)
© Keystone/ANTHONY ANEX
Der erste Teil der Retrospektive zum Fotorealismus-Pionier Franz Gertsch in Bern läuft bereits. Am Freitagabend eröffnet in Burgdorf der zweite Ausstellungsteil, «Blow-Up (Part II)». Hier sind unter anderem ikonische Frauenporträts zu sehen.

Der Ohrring in Schwertform von Irene Staub, der hochgekrempelte T-Shirt-Ärmel von Patti Smith oder die feinen, leicht glitzernden Lippen von Johanna Dichand: Franz Gertsch malte seine Motive mit grosser Detailtreue. Bei den monumentalen Porträts der Zürcher Edelprostituierten, der New Yorker Rockmusikerin und Lyrikerin sowie des Wiener Models bietet schon die hyperrealistische Darstellung der Haare Staun-Potenzial.

Zu sehen sind diese und andere Werke in «Blow-Up (Part II)» im Museum Franz Gertsch in Burgdorf. Der erste Part läuft seit Mitte August im Kunstmuseum Bern. Es ist die erste umfassende Retrospektive nach dem Tod Gertschs (2022), wie das Burgdorfer Museum in seiner Mitteilung zur Ausstellung schreibt.

Der Titel rührt von der Technik Gertschs. Bei seinen monumentalen, fotorealistischen Arbeiten, vergrösserte er Fotovorlagen mit Dia-Projektion (Blow-up) und übertrug sein Motiv in monatelanger Arbeit auf die Leinwand.

Thematische Räume

In Burgdorf liegt der Fokus auf ausgewählten Themen aus den Jahren 1970 bis 2022. Patti Smith, die Gertsch zwischen 1978 und 1979 mehrfach malte, ist ein eigener Raum gewidmet. Ein weiterer kreist um Irene Staub alias Lady Shiva, die zum Freundeskreis des Luzerner Künstlers Luciano Castelli gehörte. Castelli selbst stellte Gertsch zwischen 1971 und 1977 in dreizehn Gemälden dar; auch ihm ist ein Raum gewidmet.

In einem weiteren treffen zwei Modelle aufeinander, darunter die bereits erwähnte Johanna. Hinzu kommen landschaftliche Motive, denn der 1930 in Mörigen am Bielersee geborene Künstler stellte neben Menschen die Natur dar. Besonders nachdem er Ende der 70er-Jahre mit seiner Familie nach Rüeschegg gezogen war und sich von seiner landschaftlichen Umgebung inspirieren liess. Anders als der Bern Ausstellungsteil zeigt jener in Burgdorf auch Holzschnitte.

Zuvor wurde die Retrospektive vom dänischen Louisiana Museum of Modern Art in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler und seiner Familie entwickelt und zuletzt in den Deichtorhallen Hamburg gezeigt. In Burgdorf hat sie Anna Wesle kuratiert, in Bern Kathleen Bühler. Die Ausstellung in Burgdorf läuft bis 28. Februar 2027.

Quelle: sda
veröffentlicht: 17. September 2026 11:20
aktualisiert: 17. September 2026 11:20