«Ich hatte mit Federer nie eine Beziehung neben dem Platz»
Der Interviewraum im Mediencenter der Swiss Indoors platzt aus allen Nähten. Novak Djokovic lässt - ganz der König - etwas auf sich warten. Wie das einst auch Roger Federer oft tat. Locker schlendert der 39-jährige Serbe, erfolgreichster Tennisspieler der Geschichte, schliesslich herein, die hellgraue Jacke eine Mischung aus Jackett und Trainingsanzug.
Von 2009 bis 2011 spielte Djokovic dreimal in Basel und gewann das Turnier bei seinem Debüt. Zur Schweiz unterhält er eine spezielle Beziehung, in Genf hat er Verwandte, beim dortigen Turnier feierte er im letzten Jahr seinen 100. ATP-Titel. «In der Schweiz sind die Leute fachkundig, leidenschaftlich und unterstützen das Tennis», sagt er nun. «Mehrheitlich dank der Erfolge von Federer natürlich, aber auch Stan Wawrinka und Martina Hingis.»
Mit Rivale Federer «strikt professionell»
Zu Federer, dem er 2009 und 2010 im Final gegenüberstand, habe er aber nie eine enge Beziehung entwickelt, gibt der 24-fache Grand-Slam-Champion zu. «Um ehrlich zu sein, unsere Beziehung ist immer strikt professionell gewesen. Neben dem Platz haben wir nie eine Beziehung gehabt.» Sie seien immer Rivalen gewesen. «Aber ich habe riesigen Respekt und Bewunderung für das, was er geleistet hat. Er war für uns jüngere Spieler auch ein Wegbereiter.»
Bei seinem letzten Besuch an den Swiss Indoors war Djokovic 24-jährig, dass er zu diesen «Jüngeren» gehörte, liegt also weit zurück. Die Aussicht, Spieler, die fünfzehn oder mehr Jahre jünger sind, zu ärgern, ist für den Serben denn auch eine spezielle Motivation. «Ich stehe in Sachen Wettbewerbsfähigkeit und Ehrgeiz den anderen in nichts nach», betont er. «Sie müssen sich Siege gegen mich verdienen, es gibt keine Geschenke.»
Lieber in der Halle als bei Hitze
In den Hallenturnieren wie in Basel sieht er eine gute Chance für sich. «Mit den physischen Problemen, die ich in den letzten paar Jahren hatte, mag ich es nicht mehr so, in grosser Hitze zu spielen», erklärt er. «Mein Energielevel auf dem Platz ist besser.» Der Start ins Turnier - für ihn am Mittwoch um ca. 15.30 Uhr gegen den Franzosen Ugo Humbert (ATP 38) - sei für ihn der Schlüssel. «Bei diesen kleinen Tableaus bekommt man gleich zum Auftakt sehr starke Gegner.»
Djokovic ist sich absolut bewusst, wo er in seiner Karriere steht. Er will auch Zeit mit der Familie verbringen, und die physische Verfassung bereitet ihm mittlerweile öfter Probleme. Dennoch erreichte er in diesem Jahr am Australian Open den Final und in Wimbledon den Halbfinal. «Manche finden das für meine Ansprüche vielleicht zu wenig», weiss er. «Aber ich bin dankbar, dass ich noch auf diesem Niveau spielen und meiner Leidenschaft nachgehen kann.» Das Ziel bleibe ein weiterer Grand-Slam-Sieg.
Freude über die Wahlen in Serbien
Im Moment fühle er sich auch physisch wieder besser. Ebenfalls Freude hat er am Ergebnis der Parlamentswahlen in seiner Heimat Serbien. Djokovic hatte die Studentenbewegung in ihrem Kampf gegen den langjährigen Machthaber Aleksandar Vucic unterstützt.
«Ich habe grössten Respekt für die Studenten und jungen Leute, die gekämpft haben», so Djokovic. «Sie haben Würde und unglaubliche Resilienz gezeigt in den letzten zwei Jahren. Und das unter enormem Druck.» Er hoffe nun auf eine wohlhabende und erfreuliche Zukunft für sein Land.