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Lied «Die Internationale» läuft bei Trauerfeier für Jean Ziegler

Todesfall

Lied «Die Internationale» läuft bei Trauerfeier für Jean Ziegler

18. Juni 2026, 18:03 Uhr
Zweieinhalb Stunden lang wurden in der Kathedrale St. Peter in Genf nacheinander Würdigungen für den ehemaligen Nationalrat und Soziologen Jean Ziegler vorgetragen, der am vergangenen 10. Juni im Alter von 92 Jahren gestorben ist.
© KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI
Bei der Abdankungsfeier für Jean Ziegler in Genf waren alle Bänke bis auf den letzten Platz gefüllt. Zum ersten Mal wurde in der Kathedrale St. Peter «Die Internationale» gespielt, um den früheren Nationalrat und Soziologen zu ehren.

Die gesamte Genfer Linke, aber auch Vertreter der UNO und Staatsangehörige anderer Länder wollten dabei sein. «Die Abdankungsfeier wird so lang sein wie eine Rede von Fidel Castro, aber hoffentlich weniger langweilig», sagte Pfarrer Emmanuel Rolland. Er hatte recht: Zweieinhalb Stunden lang folgten Würdigungen und Lieder von Aktivisten aufeinander, bei denen die Handys wie bei einem Konzert in die Höhe gehalten wurden.

«Die Internationale», ein weltweit verbreitetes Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung, wurde von einer Orgel gespielt und von einem Chor mitgesungen.

«Genf verliert eines seiner grössten Gewissen», sagte die Genfer SP-Bürgermeisterin Christina Kitsos. «Jean Ziegler war bekannt und wurde bewundert», erklärte die ehemalige SP-Bundesrätin und Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Sie ging auf die Vorwürfe des Verrats ein, die gegen ihn erhoben wurden, als er die Schweizer Banken kritisierte. «Nichts könnte falscher sein. Jean liebte die Schweiz, aber diese Liebe machte ihn fordernd», fügte Calmy-Rey hinzu, bevor sie ihm, den Tränen nahe, dankte.

Der Ruf des Sozialisten reichte weit über die Landesgrenzen hinaus. Seit seinem Tod vor gut einer Woche sind ganze Säcke voller Beileidsbekundungen aus aller Welt im Familienhaus auf dem Land bei Genf eingetroffen. Chilenen aus der Schweiz, Kongolesen aus der Schweiz, Palästinenser, Iraner oder Sahrauis hoben während der Zeremonie die Bedeutung des Verstorbenen auf der internationalen Bühne hervor.

Pazifist der Kissenschlachten liebte

Für alle Experten des Menschenrechtssystems der UNO war Jean Ziegler «ein Gigant», erklärte die Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, in einem Brief.

Die Familie sprach anschliessend über den weniger bekannten Jean Ziegler, einen Menschen voller Liebe, wie seine Ehefrau Erica, sein Sohn Dominique und sein Enkel Théo ihn beschrieben. Der «Aktivist» war auch ein «Vertrauter» und «Mittelpunkt», in seiner Begeisterung «ein bisschen anhänglich». Und der Pazifist scheute sich nicht vor einer Kissenschlacht oder Schiessereien mit Plastikpistolen.

Jean Ziegler wird auf dem Friedhof Les Rois in Genf beigesetzt werden. Der Genfer Soziologe und ehemalige SP-Nationalrat starb am vergangenen 10. Juni mit 92 Jahren in seiner Wahlheimat Genf.

Sein Leben lang galt der gebürtige Thuner als Rebell und Vertreter der Menschen aus der sogenannten «Dritten Welt». Der zweisprachige Ziegler war für den Kanton Genf zweimal im Nationalrat. Sein erstes Mandat hielt er von 1967 bis 1983, das zweite von 1987 bis 1999.

Quelle: sda
veröffentlicht: 18. Juni 2026 18:03
aktualisiert: 18. Juni 2026 18:03