Noè Ponti: «Alles ist auf Los Angeles ausgerichtet»
Nach einem aussergewöhnlichen Jahr will Noè Ponti 2026 seine Medaillenserie weiterführen. Der Tessiner hat grosse (und weitreichende) Ziele: Die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles tauchen bereits am Horizont auf.
Ponti beendete die letzte Saison im Dezember im polnischen Lublin. Dort prägte er die Kurzbahn-Europameisterschaften mit dem Gewinn dreier Gold- (50 m und 200 m Delfin, 100 m Lagen) und einer Silbermedaille (100 m Delfin). Ein krönender Abschluss einer Saison, die ihm im Sommer im grossen Becken auch zwei WM-Silbermedaillen in Singapur eingetragen hatte.
An letzten Wochenende beim Swim-Cup-Meeting in Lausanne bestritt Ponti erstmals wieder Wettkämpfe. Als Hauptattraktion und als Schirmherr dieses internationalen Meetings, an dem 400 Athleten, unter ihnen mehrere Olympia-Medaillengewinner teilnahmen, nutzte der Tessiner die Gelegenheit, um öffentlich seine Saisonplanung aufzuzeigen und die aktuelle Form einzuschätzen.
«Ich bestritt in Lausanne meine ersten Rennen. Ich wollte an diesem Meeting Rhythmus und Wettkampfgefühl wieder finden», so Ponti im Interview mit Keystone-SDA. Ponti trat in Lausanne über 50 m und 100 m Delfin an, nicht aber über 200 m Delfin. Diese Distanz hat Ponti schon 2025 nach Misserfolgen bei Grossanlässen wie den Weltmeisterschaften 2023 in Fukuoka oder den Sommerspielen 2024 Spielen in Paris (2024) bewusst vernachlässigt.
Ziel: Medaillen in Paris
Die ersten Starts ermöglichten es ihm, sich fünf Monate vor den Europameisterschaften im Langbecken in Paris (vom 10. bis 16. August) einzuschätzen. «Das ist das Hauptziel der Saison. Mein Ziel ist es, in Paris in Topform zu sein.» Und natürlich will Noè Ponti aus Paris «mit ein paar Medaillen zurückzukehren.»
Lange galt Ponti, der 2021 mit Olympia-Bronze in Tokio erstmals in den Fokus der Öffentlichkeit rückte, als Kurzbahn-Spezialist. Das trifft längst nicht mehr zu. Spätestens mit den zwei WM-Silbermedaillen im vergangenen Sommer in Singapur erlangte Ponti einen neuen Status und neue Dimensionen. In den «ewigen Bestenlisten» über 50 m und 100 m Delfin belegt er die Plätze 6 und 9.
Und noch immer glaubt der Schwimmer aus Locarno daran, dass er noch besser werden kann. «Ich bin nahe am Maximum, daher geht es vor allem darum, hier und da ein paar Hundertstel zu gewinnen», meinte der Perfektionist.
Aber wie findet man diese Hundertstel? «Indem ich mehr und besser trainiere - im Wasser wie im Fitnessraum. Indem ich die Belastungen erhöhe und sie anpasse. Es gibt immer Dinge zu optimieren. Wenn ich sowohl körperlich wie mental gut arbeite, bin ich sicher, dass ich noch schneller schwimmen kann.»
Olympia schon im Kopf
Auch wenn er bereits auf einem Level schwimmt, das kein Schweizer Schwimmer vor ihm erreicht hat, geht Ponti davon aus, dass er den Höhepunkt seiner Karriere noch nicht erreicht hat. Sein Ziel ist klar: die nächsten zwei Jahre nutzen, um seine Leistungen vor den Olympischen Spielen 2028 zu perfektionieren.
"Los Angeles ist das grosse Ziel“, bestätigt der Tessiner, der dannzumal 27 Jahre alt sein wird und es nach dem Misserfolg in Paris 2024 allen zeigen will. «Natürlich muss ich gesund bleiben und in bestmöglicher Form an die Olympischen Spiele reisen. Aber alle Entscheide, die wir treffen, sind jetzt bereits auf Los Angeles ausgerichtet», so Ponti.
Motivationsprobleme auf dem langen Weg nach Los Angeles befürchtet der Delfinschwimmer-Star mit auf dem rechten Arm eintätowierten Delfinen keine. «Wie in jedem Beruf gibt es Tage, an denen man mehr Freude an der Arbeit hat als an anderen», räumt er ein. «Aber insgesamt verspüre ich immer noch viel Lust: Ich glaube, dass ich diesem Sport und mir selber noch viel zu geben habe.»