Putin stellt russische Nestlé-Beteiligungen unter Fremdverwaltung
Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Dekret der russischen Regierung hervor. Konkret geht es um Nestlé Russia und Nestlé Kuban. Die von Nestlé-Gesellschaften in der Schweiz und in Deutschland gehaltenen Anteile werden neu von der russischen Firma L.E.V. Management verwaltet. Nestlé bleibt zwar Eigentümer, kann aber vorerst nicht mehr selbst über die Beteiligungen bestimmen.
Zu den genauen Konsequenzen konnte ein Nestlé-Sprecher der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage zunächst keine Angaben machen.
Bereits im August hatte das russische Unternehmen KS Logistika Putin aufgefordert, fünf russische Nestlé-Gesellschaften unter Fremdverwaltung zu stellen. Nestlé erklärte damals, von staatlichen Stellen nicht kontaktiert worden zu sein. Ein Rückzug aus Russland sei kein Thema.
Nestlé erwirtschaftet in Russland rund zwei Prozent des Konzernumsatzes. Das Unternehmen betreibt sechs Produktionsstandorte in Russland und stellt dort unter anderem Kaffee, Süsswaren, Babynahrung und Tierfutter her.
Nestlé hatte nach dem russischen militärischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 entschieden, sein Geschäft in Russland trotz Kritik nicht vollständig einzustellen. Der Konzern begründete dies damals damit, dass er als Lebensmittelhersteller auch in Konfliktregionen die Bevölkerung weiterhin mit grundlegenden Nahrungsmitteln versorgen wolle.
Danone und Carlsberg als Vorbilder
Russland nutzt das Instrument der vorübergehenden Verwaltung seit 2023, um die Kontrolle über Vermögenswerte ausländischer Unternehmen zu übernehmen. Nestlé ist dabei kein Einzelfall.
So verlor der französische Lebensmittelkonzern Danone schon 2023 die Kontrolle über sein Russland-Geschäft. Danone verkaufte es 2024 schliesslich für rund 180 Millionen Euro und verbuchte insgesamt einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro.
Ähnlich erging es dem dänischen Brauereikonzern Carlsberg. Auch dessen Russland-Geschäft wurde 2023 unter staatliche russische Verwaltung gestellt. Ende 2024 schloss Carlsberg den Rückzug mit einem Management-Buyout über 320 Millionen Dollar ab. Der niederländische Brauer Heineken wiederum verkaufte seine russische Tochter für den symbolischen Preis von einem Euro und verbuchte einen Verlust von insgesamt 300 Millionen Euro.