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St. Galler Sicherheitsexperte gibt Tipps zum Schutz vor Einbrechern

Einbrüche

St. Galler Sicherheitsexperte gibt Tipps zum Schutz vor Einbrechern

22. Oktober 2026, 14:38 Uhr
In der dunklen Jahreszeit zwischen Ende Oktober und Anfang März haben sogenannte Dämmerungseinbrüche Hochkonjunktur. (Symbolbild)
© Keystone/MARTIN RUETSCHI
Allein rund 600 Einbrüche hat es im Kanton St. Gallen zwischen Ende Oktober 2025 und Anfang März dieses Jahres in den dunklen Morgen- und Abendstunden gegeben. Nun beginnt die heisse Phase der sogenannten Dämmerungseinbrüche erneut. Wie man seinen Wohnraum bestmöglich davor schützt, weiss der Sicherheitsexperte der Kantonspolizei St. Gallen.

Mit der zunehmenden Dunkelheit geht auch die Zahl der Einbrüche wieder nach oben. «Die dunkle Jahreszeit zwischen Ende Oktober und Anfang März ist die Zeit der sogenannten Dämmerungseinbrüche», heisst es seitens der St. Galler Kantonspolizei. Erst jüngst sind der Notrufzentrale an nur einem Wochenende zehn Einbrüche und Einbruchsversuche im Kanton gemeldet worden. Im Interview gibt Urs Bücheler, Leiter Sicherheitsberatung bei der Kantonspolizei St. Gallen, Tipps für den Schutz vor Einbrechern.

Wenn Hauseigentümer oder Mieter nur eine einzige Sache zur Sicherung vor Einbrüchen machen wollen oder können: Was empfehlen Sie prioritär?

Urs Bücheler: Der Einbruchsschutz an der Aussenfassade ist entscheidend. Die Täter probieren es beispielsweise an Fenstern oder an Haustüren. Wenn die standhalten, ziehen die Einbrecher weiter. Wenn nicht, sind sie im Objekt und durchsuchen dieses.

Einbrecher sollten es möglichst schwer haben, in ein Gebäude zu gelangen. Oft wird von der sogenannten Drei-Minuten-Regel gesprochen. Können Sie uns das ausführen?

Schraubenzieher, Kanthölzer und Zangen sind in der Regel die am häufigsten verwendeten Einbruchswerkzeuge. Die Industrie hat mit der sogenannten Resistenzklasse zwei für Wohneigentum auch Produkte entwickelt, die dem Einsatz solcher Werkzeuge drei Minuten standhalten müssen. Drei Minuten deshalb, weil sich Täter in der Regel nie länger als drei Minuten an einem Fenster oder an Türen zu schaffen machen, sondern früher wieder von ihrem Vorhaben ablassen.

Eine Mieterin oder ein Mieter einer Wohnung hat nur beschränkt oder fast keine Möglichkeiten, bauliche Massnahmen umzusetzen. Was kann man als Mieterin oder Mieter machen, um sich gegen Einbrüche zu schützen?

Das kann tatsächlich zu schwierigen Situationen führen. Der Vermieter ist in der Regel nicht bereit, viel Geld zu investieren. Vielleicht kann man aber mit dem Vermieter vereinbaren, dass er einen Teil der Massnahmen für verbesserten Einbruchsschutz über den Mietzins abwälzt. So entsteht eine Win-win-Situation. Fakt ist aber, dass Massnahmen baulich-mechanischer Natur in der Regel nur mit der Zustimmung des Vermieters erlaubt sind.

Was raten Sie Personen, denen technische Einbruchssicherungen oder bauliche Massnahmen zu teuer sind? Worauf sollen sie achtgeben, um Einbrüche dennoch möglichst zu verhindern?

Nach Möglichkeit sollte man bereits während der Wohnungssuche auf die Lage achten. Ist die Wohnung im dritten oder vierten Stock, muss nur die Eingangstür geschützt werden. Und es sollte darauf geachtet werden, ob etwa Türen entsprechend geschützt sind. Dann muss man nicht viel Geld in die Hand nehmen. Aber grundsätzlich gibt es fast nichts, was man machen kann, ohne dass Kosten entstehen.

Auf dem Markt gibt es auch sogenannte Smart-Home-Simulationen, welche eine Anwesenheit vortäuschen. Was halten Sie von solchen Geräten?

Das kann absolut sinnvoll sein. Jede Massnahme, die das Leben eines Einbrechers schwer macht oder den Erfolg eines Täters verhindern kann, ist eine gute Massnahme. Und da gehören beispielsweise Zeitschaltuhren für Lichter oder Fernsehsimulatoren klar dazu. Insbesondere zur Verhinderung von Dämmerungseinbrüchen können solche Massnahmen sinnvoll sein.

Was sind bei Häusern und Wohnungen die neuralgischen Punkte, über welche die Täter einbrechen?

Fenster, Fenstertüren sowie Hebeschiebetüren sind neuralgische Punkte. Dabei wird der Rahmen aufgebrochen oder das Glas eingeschlagen. Auch über Haupt- und Nebeneingänge gehen Täter oft rein. Eher weniger Einbrüche geschehen über Lichtschächte oder gut gesicherte Garagentore.

Was sind die häufigsten Versäumnisse betreffs Einbruchsschutz, welche die Polizei feststellt?

Wenn ein Haus oder eine Wohnung wegen geschlossener Rollläden oder fehlendem Licht komplett unbewohnt erscheint, ist das keine gute Idee. Auch wenn keine Gegenstände um das Haus stehen, kann das signalisieren, dass es nicht bewohnt ist. Vorsicht ist allerdings mit herumliegenden Gartenwerkzeugen oder nicht gesicherten Leitern geboten, die als Hilfsmittel für Einbrüche verwendet werden können.

Was gilt es zu beachten, wenn jemand in den Urlaub fährt?

Grundsätzlich sind Telefonbeantworter mit der Mitteilung «Wir sind 14 Tage auf den Malediven» nicht empfehlenswert. Potenzielle Einbrecher sollten nicht herausfinden können, ob jemand in den Ferien ist. Auch Abwesenheitsnotizen bei den E-Mails sollten keine spezifischen Daten enthalten.

Wenn es trotz aller Vorsichtsmassnahmen zu einem Einbruch gekommen ist: Was sollten Betroffene dann machen?

Wenn sie feststellen, dass ein Einbruch passiert ist, kann die Täterschaft immer noch vor Ort sein. Betroffene sollten darum nicht ins Objekt gehen, sondern draussen bleiben und die Notrufnummer 117 wählen. Danach gilt es zu warten, bis die Polizei eintrifft. Sollten sie hineingehen, vernichten sie möglicherweise auch Spurenbilder, welche der Polizei helfen, Täter zu finden.

Quelle: sda
veröffentlicht: 22. Oktober 2026 14:38
aktualisiert: 22. Oktober 2026 14:38