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Wegen gefälschtem Covid-Zertifikat - Fischer muss gehen

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Wegen gefälschtem Covid-Zertifikat - Fischer muss gehen

15. April 2026, 19:39 Uhr
Patrick Fischer ist nicht mehr Trainer der Eishockey-Nationalmannschaft
© KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI
Patrick Fischer wird als Cheftrainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft per sofort frei gestellt. Er hatte 2022 ein gefälschtes Covid-Zertifikat gekauft, wie diese Woche auskam.

Am Ende wurde der Druck zu gross. Wollte der Schweizerische Eishockey-Verband die «Causa Fischer» noch am Montag, als sie bekannt wurde, aussitzen, sah er sich zwei Tage später zur Reaktion gezwungen. Patrick Fischer ist ab sofort nicht mehr Schweizer Cheftrainer, er wird durch den bisherigen Assistenten Jan Cadieux ersetzt, der nach der Heim-WM sowieso das Zepter übernommen hätte.

Fischer stolpert über ein gefälschtes Covid-Zertifikat, dank dem er 2022 an die Olympischen Spiele in Peking reisen dufte. Strafrechtlich war die Angelegenheit ein Jahr später erledigt, nachdem der 50-jährige Zuger rechtskräftig wegen Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe von fast 40’000 Franken inklusive Gebühren verurteilt wurde. Weder die Öffentlichkeit noch seinen Arbeitgeber hatte er damals informiert, im Gegenteil: In Interviews beteuerte Fischer, dass er sich habe impfen lassen.

Öffentliche Werte- und Vertrauensdiskussion

Aufgerollt wurde der Fall am Montag, nachdem SRF davon erfahren und einen Beitrag geplant hatte. Swiss Ice Hockey und Fischer kamen diesem zuvor und gingen an die Öffentlichkeit. Damit, so dachten und kommunizierten sie, hielten sie den Fall für abgeschlossen. Man wollte ausgerechnet vor der Heim-WM in Zürich und Freiburg möglichst schnell wieder Ruhe haben.

Zwei Tage später folgte die Kehrtwende: «Der Fall ist rechtlich abgeschlossen, hat aber eine öffentliche Werte- und Vertrauensdiskussion ausgelöst, die der Verband sehr ernst nimmt», erklärt der Verbandspräsident Urs Kessler in einer Medienmitteilung. «Vertrauen und Integrität sind zentral in unserem Sport und in unserem Verband.»

Werte und Respekt nicht gelebt

Die ursprüngliche Bewertung, wonach die Angelegenheit abgeschlossen wäre, sei «aus heutiger Sicht zu kurz gegriffen gewesen. Es geht um Werte und Respekt, die für Swiss Ice Hockey zentral sind und von Patrick Fischer 2022 nicht gelebt wurden. Der Verband bedauert, dass er diesem Aspekt in seiner ersten Beurteilung zu wenig Beachtung geschenkt hat.» Unter anderen hatte sich auch der Dachverband Swiss Olympic «überrascht und irritiert» gezeigt. Die geltenden Werte seien missachtet worden. Auch der internationale Eishockeyverband IIHF soll gemäss Medienberichten eine Untersuchung eingeleitet haben.

Sportlich ist die Trennung von Fischer ein herber Verlust, er ist der erfolgreichste Chefcoach, den die Schweizer Nationalmannschaft je hatte. Der charismatische Zentralschweizer, der eben erst an den Sports Awards als Trainer des Jahres 2025 ausgezeichnet wurde, führte das Schweizer Team in seinen gut zehn Jahren an der Bande zu drei WM-Silbermedaillen. Am Dienstag reiste Fischer mit dem Nationalteam für zwei Testspiele am Donnerstag und Freitag in die Slowakei.

Cadieux leitet das Abendtraining

Am Mittwochmorgen leitete Fischer in Topolcany noch das Training, am Abend war es dann bereits Jan Cadieux. Der 46-jährige Kanada-Schweizer ist seit letztem Jahr Assistenzcoach der Nationalmannschaft, davor führte er Servette zum ersten Meistertitel und Champions-League-Triumph. Cadieux war bereits als Nachfolger von Fischer nach der WM bestimmt, nun steht er bereits vorher in der Chefrolle an der Bande.

Quelle: sda
veröffentlicht: 15. April 2026 19:39
aktualisiert: 15. April 2026 19:39