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Wenn Tsitsipas seine Erwartungen ausblendet

ATP Gstaad

Wenn Tsitsipas seine Erwartungen ausblendet

20. Juli 2026, 08:37 Uhr
Stefanos Tsitsipas sieht sich nach dem Turniersieg in Gstaad wieder auf gutem Weg
© KEYSTONE/AP/Anthony Anex
Stefanos Tsitsipas feiert am Swiss Open in Gstaad eine eindrückliche Wiederauferstehung. Dafür muss sich der Grieche quasi selbst überlisten.

Stefanos Tsitsipas schwärmt in den höchsten Tönen vom Turnier in den Alpen. «Es ist ein Paradies hier», sagt der ehemalige Weltranglistendritte nach seinem Turniersieg. «Gstaad schlägt alles andere bei Weitem. Es ist mit Sicherheit das beste 250er-Turnier der Welt.» Tsitsipas' Euphorie ist verständlich. Eineinhalb Jahre hatte er auf einen Final-Vorstoss gewartet, die Enttäuschungen hatten sich gehäuft, Erfolgserlebnisse gab es keine mehr.

In Gstaad zeigte sich aber ein verwandelter Tsitsipas. Vor Wimbledon löste er sich - wohl zu spät - von seinem Vater Apostolos als Coach. Unter dessen Fittichen hatte der 27-jährige Grieche grosse Erfolge gefeiert. 2019, mit 21 Jahren, gewann Tsitsipas die ATP Finals, 2021 am French Open (mit 2:0-Satzführung) und zwei Jahre später am Australian Open stand er im Final, dreimal triumphierte er beim Masters-1000-Turnier in Monte Carlo. Dann aber geriet die Karriere des oft launischen und nicht immer nervenstarken Hochbegabten ins Stocken. Dazu kamen Nebengeräusche neben dem Platz. Nicht immer schien die Tenniskarriere an erster Stelle zu stehen.

Einfach gespielt und gekämpft

Bis auf Platz 85 der Weltrangliste war Tsitsipas vor der Reise nach Gstaad zurückgefallen. Dort aber brillierte er nicht nur mit Spielwitz, sondern auch mit Kampfkraft und Nervenstärke. Vier seiner fünf Matches gewann er in drei Sätzen, mehr als einmal zügelte er seinen Frust und überstand heikle Momente. «Es war eine verrückte Woche», stellte Tsitsipas nach dem Finalsieg gegen den gut 40 Positionen besser klassierten Belgier Raphaël Collignon fest.

Dann offenbarte er ein verblüffendes Erfolgsrezept. «Im dritten Satz habe ich meine Erwartungen komplett ausgeblendet», erklärte Tsitsipas. «Es kann frustrierend sein, wenn man Perfektion anstrebt. Ich habe einfach gespielt und gekämpft- und geschaut, was herauskommt.» Ob dies das Rezept für eine Wiedergeburt des erfolgreichen Tsitsipas ist, der die Fans nach wie vor begeistert und für volle Tribünen sorgt?

Der Beweis, auf dem richtigen Weg zu sein

Die Woche in Gstaad hat ihm jedenfalls gut getan. Mit seinem neuen Coach Thomas Perrin aus der Akademie von Patrick Mouratoglou will er wieder angreifen. «Es ist ein tolles Gefühl, diese Trophäe in den Händen zu halten», sagt Tsitsipas. «Sie ist der Lohn für die Arbeit, die du machst, und der Beweis, dass du auf dem richtigen Weg bist. Es gibt Selbstvertrauen und Hunger und macht Lust, noch mehr ans Limit zu pushen.»

Die schwierigen Monate haben Tsitsipas Bescheidenheit gelehrt. Seine Ziele setzt er jedenfalls vorerst vorsichtig. «Ich will in diesem Jahr noch mindestens drei Top-10-Spieler schlagen», meinte er. «Ein 500er-Turnier zu gewinnen wäre nett.» Das seien die kleinen Ziele. «Wichtiger ist es, zurück in die Top 50 zu kommen.» Letzteres dürfte nicht allzu lange auf sich warten lassen. Vielleicht hatte Tsitsipas das nicht gleich realisiert: Seit Montag ist er wieder die Nummer 51 der Welt. Weiter geht es auf den Hartplätzen Nordamerikas.

Quelle: sda
veröffentlicht: 20. Juli 2026 08:37
aktualisiert: 20. Juli 2026 08:37