Winterthurer Busfahrer drohen mit ganztägigem Streik
Der Warnstreik startete am frühen Dienstagmorgen um 4.30. Ein gutes Dutzend Busfahrer zogen vom Depot an den Bahnhof und schwangen VPOD-Fahnen. Sie verteilten Flyer an die Passagierinnen und Passagiere. Kurz vor 8.30 Uhr wurde der Streik dann beendet.
Normalerweise stehen an einem Morgen 60 Fahrzeuge im Einsatz, am Streikmorgen waren es etwa 20, wie Matthias Gerth von Stadtbus Winterthur auf Anfrage von Keystone-SDA sagte. Den Fahrgästen wurde empfohlen, den Fahrplan zu konsultieren und mehr Reisezeit einzuplanen.
Gegen 8 Uhr verhandelten Vertreter der Gewerkschaft VPOD beim Depot mit Stadtrat Stefan Fritschi (FDP), dessen Departement die Technischen Betriebe führt. Ohne Ergebnis jedoch, wie eine Reporterin von Keystone-SDA vor Ort erfuhr. Weitere Verhandlungen sollen folgen. Für Donnerstag ist ein Gespräch mit dem Stadtrat angesetzt.
Der VPOD hält an seinen Forderungen fest und droht mit einem ganztägigen Streik, falls bis Mittwoch nächster Woche keine Einigung erzielt wird.
«Lasse mich nicht unter Druck setzen»
Stadtrat Fritschi zeigte am Dienstag im Zusammenhang mit dem Arbeitskonflikt seine Gesprächsbereitschaft. Für gewisse Veränderungen brauche es aber politische Entscheide. Wunder dürfe man deshalb keine erwarten, sagte er vor Ort.
Er sei überzeugt, dass Stadtbus auch jetzt schon gute Arbeitsbedingungen biete. «Ich schliesse aber nicht aus, dass wir gewisse Verbesserungen erzielen können.» Er betonte gleichzeitig, dass er sich «nicht unter Druck setzen» lasse - auch nicht mit einem Streik.
Aufgeheizte Stimmung
Betrieb und Stadtrat hätten versucht, die Mitarbeitenden von der Ausübung ihres verfassungsmässig garantierten Streikrechts abzuhalten, schrieb der VPOD in einer Mitteilung. Busfahrerinnen und Busfahrer seien nach Mitternacht aufgefordert worden, Fahrzeuge nicht im Depot, sondern an alternativen Standorten abzustellen. Rund ein Viertel der Busse standen ausserhalb des Depots.
Zudem sei es zu aggressiven Konfrontationen durch Vorgesetzte von Stadtbus Winterthur gekommen. «Das können wir so nicht bestätigen», sagte dazu Matthias Gerth von Stadtbus Winterthur auf Anfrage von Keystone-SDA. Bei der aktuell aufgeheizten Stimmung sei es normal, dass auch einmal zu etwas lautstarkeren Auseinandersetzungen kommen könne. Stadtrat Fritschi sagte, Aktivisten hätten sich respektlos und «unter aller Kanone» ihm gegenüber verhalten.
«Stadtrat lässt uns keine andere Wahl»
Hintergrund ist ein seit längerem schwelender Konflikt um die Arbeitsbedingungen. Der VPOD kritisiert kurzfristige sogenannte Springertage mit möglichen Minusstunden, zu tiefe Nachtzuschläge sowie Mängel bei Ersatzdiensten und Dienstplanung. Zudem müssten sich Angestellte an Schäden beteiligen, ohne ausreichende rechtliche Grundlage.
Ein anonymer Mitarbeiter erklärte in einer Mitteilung: «Wir Busfahrer haben in den letzten Jahren unhaltbare Arbeitsbedingungen ausgehalten, um den Nahverkehr in dieser Stadt zu sichern. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem es so nicht weitergeht. Der Stadtrat lässt uns keine andere Wahl, als in den Streik zu treten.»
Stadtbus Winterthur hatte am Montag erklärt, man bedauere die Unzufriedenheit, halte den Warnstreik jedoch für nicht gerechtfertigt. Verschiedene Anliegen seien bereits erfüllt, für weitere Lösungen in Aussicht gestellt worden.