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«Wir müssen noch mehr All-in gehen»

WM26

«Wir müssen noch mehr All-in gehen»

1. Juni 2026, 02:50 Uhr
Die Schweizer Spieler bedanken sich bei den fantastischen Fans
© KEYSTONE/ANDREAS BECKER
Auch vor heimischem Publikum verpasst das Schweizer Team knapp den langersehnten ersten WM-Titel. Die Enttäuschung ist entsprechend gross, doch es herrschen auch Stolz und Zuversicht.

Die Schweizer Fans versuchten, die enttäuschten Spieler so gut es ging aufzumuntern. Wieder zeigte das Nationalteam ein grandioses Turnier, doch erneut blieb am Ende nur der Frust. Nino Niederreiter, für den es bereits der fünfte verlorene WM-Final war, gab sich diesmal - im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als er nach dem 0:1 nach Verlängerung gegen die USA noch von seinen Emotionen übermannt wurde – deutlich gefasster. Warum konnte er selber nicht erklären.

«Es ist extrem bitter, da sehr viel für uns gelaufen und es dennoch nicht so herausgekommen ist, wie es hätte kommen sollen», sagte der Stürmer der Winnipeg Jets. Er trauerte der nicht genutzten zweiminütigen doppelten Überzahl nach und vermisste die «grusigen Tore».

Knak und Biasca blicken nach vorn

Der zu den Jüngsten in der Schweizer Mannschaft gehörende 24-jährige Simon Knak fand, «dass wir alles gaben und uns nicht gross etwas vorwerfen können. Vielleicht aber müssen wir in einem Final noch etwas mehr All-in gehen und noch mehr Risiko nehmen.» Knak hatte schon mit Davos mit der Niederlage in der Overtime im siebten Finalspiel gegen Fribourg-Gottéron eine grosse Enttäuschung erlebt. Er möchte nun noch härter an sich arbeiten, «damit ich derjenige sein kann, der den Unterschied macht.»

Der ein Jahr jüngere Attilio Biasca äusserte sich in die gleiche Richtung: «Ich nehme dieses Gefühl in den Sommer mit, und im nächsten Jahr werden wir voll angreifen. Ich bin mir sicher, dass wir die Goldmedaille irgendwann heimbringen werden.»

Cadieux auch stolz

Trainer Jan Cadieux bedauerte, dass sie in den ersten 30 Minuten nicht ihr Spiel gespielt hätten, sie die Nervosität eingeholt habe und sie alles etwas langsamer gemacht hätten. Trotz der grossen Frustration ist er aber stolz auf die Spieler: «Auch wenn es sehr weh tut, können sie erhobenen Hauptes heimkehren», sagte Cadieux, der während der Vorbereitung vom Assistenten zum Headcoach aufstieg, nachdem Patrick Fischer wegen der Affäre um sein gefälschtes Covid-Zertifikat Mitte April entlassen worden war.

Das war selbstredend keine einfache Situation für das Team doch wie die Spieler und der Staff das händelten, beeindruckte Torhüter Leonardo Genoni, der das Turnier mit einer fantastischen Abwehrquote von 97,08 Prozent beendete. «Alle sind zusammengerückt. Es macht so viel Spass, in dieser Mannschaft zu spielen. Sie hätte es verdient gehabt zu gewinnen, umso mehr tut es weh», erklärte Genoni.

Josi hat keine Erklärung

Captain Roman Josi, der zum zweiten Mal nach 2013 zum MVP einer WM gekürt wurde, hob die Verbundenheit mit den Fans hervor. «Die ganze Schweiz stand hinter der Mannschaft, das war für uns ein unglaubliches Gefühl. Diese Stimmung werden wir nie vergessen. Unsere Fans hätten den Titel sowas von verdient.» Warum es erneut nicht mit der ersehnten Goldmedaille klappte - die Schweizer standen zum dritten Mal in Folge im Final und schossen erneut kein Tor -, konnte er nicht erklären.

Derweil sah der scheidende Nationalmannschaftsdirektor Lars Weibel das grosse Bild, nämlich dass die Schweiz nun die Nummer 1 der Welt ist. «Die Mannschaft und der Staff hätten nichts anderes als die Krone verdient. Wir dürfen nun aber trotz der Enttäuschung den Kopf nicht hängen lassen», sagte Weibel. Nun müssten es jedoch andere richten.

Quelle: sda
veröffentlicht: 1. Juni 2026 02:50
aktualisiert: 1. Juni 2026 02:50