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Zürcher Kantonsrat will keine Vorgaben für Klassenassistenzen

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Zürcher Kantonsrat will keine Vorgaben für Klassenassistenzen

9. März 2026, 09:28 Uhr
Die SP wollte, dass Klassenassistenzen eine obligatorische Ausbildung bekommen. Mit der Forderung stand die Partei jedoch alleine da. (Archivbild)
© KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER
Die Zürcher Gemeinden können weiterhin selber darüber bestimmen, wen sie als Klassenassistenz anstellen und für welche Aufgaben. Der Kantonsrat hat am Montag eine Motion der SP abgelehnt, die dazu Vorgaben machen wollte.

«Klassenassistenzen können auch Schaden anrichten, wenn sie falsch eingesetzt werden», sagte SP-Kantonsrätin Patricia Bernet (Uster). Damit Assistenzen einen Mehrwert darstellten und keine Belastung, bräuchten sie zwingend eine Ausbildung.

In ihrer Motion verlangte die SP deshalb, dass diese Personen künftig eine pädagogische Grundausbildung mitbringen. Aktuell ist Schulassistenz kein Beruf mit geregelter Ausbildung. Die Gemeinden können selber entscheiden, wen sie als Unterstützung anstellen und wofür. Assistenzen helfen etwa bei Gruppenarbeiten, begleiten die Klassen auf Ausflüge oder überwachen die Pausen.

Eine Berufsausbildung ist wünschenswert, ebenso gute Deutschkenntnisse - mehr wird jedoch nicht vorausgesetzt. Dies wird auch so bleiben: Der Rat lehnte die SP-Motion mit 136 Nein- zu 37 Ja-Stimmen ab. Keine andere Fraktion konnte sich für eine Ausbildungspflicht für Schulassistenzen erwärmen.

Für die FDP war es «Team-Teaching light», was die SP forderte. «Noch mehr Kosten, noch mehr Bezugspersonen», fasste Marc Bourgeois (Zürich) zusammen. Auch die GLP kritisierte, dass die SP eine «neue Kategorie Lehrer» einführen wolle. Die Stärke der Klassenassistenzen sei es doch, dass die Gemeinden sie bei Bedarf und niederschwellig einsetzen könnten, sagte Christoph Ziegler (Elgg), selber Lehrer.

Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) erinnerte die SP daran, dass «alle Schaden in der Schule anrichten können, die ihren Job schlecht machen». Nicht nur die Schulassistenzen. Es liege in der Verantwortung der Gemeinden, wer für welche Aufgaben eingesetzt werde. Zudem gebe es bereits Kurse dafür an der Pädagogischen Hochschule. Diese bleiben nun freiwillig.

Keine Chance für Team-Teaching

Keine Chance hatte auch eine Motion von SP und AL für flächendeckendes Team-Teaching, also dass sich zwei Lehrpersonen gleichzeitig um eine Klasse kümmern. Dies würde die Lehrerinnen und Lehrer entlasten.

Mit 133 zu 41 Stimmen lehnte der Rat das Anliegen jedoch ab. «Wenn man schon meint, wir hätten zu viel Geld und zu viele Lehrpersonen, sollten wir eher die Klassen verkleinern», sagte Marc Bourgeois (FDP, Zürich). «Wir haben aber beides nicht.»

Die Grünen fanden flächendeckendes Team-Teaching zwar «nice to have». Aber die Kosten seien zu hoch, sagte Livia Knüsel (Schlieren). Gemäss einer Berechnung der Bildungsdirektion würde Team-Teaching zu Mehrkosten von 1,1 Milliarden Franken führen.

Davon würden über 900 Millionen bei den Gemeinden anfallen. 6900 neue Lehrer-Vollzeitstellen müssten besetzt werden. Und weil viele Lehrpersonen Teilzeit arbeiten, wären es unter dem Strich rund 10'000 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer.

Bei dieser Zahl zusätzlich benötigter Lehrerinnen und Lehrer vermutete die SVP den wahren Grund für die Forderung nach Team-Teaching: Eine Berechnung des Bundes besage nämlich, dass es im Jahr 2032 voraussichtlich einen Lehrerüberschuss gebe. «Diese Lehrer wären dann alle beschäftigt», sagte Ursula Junker (Mettmenstetten).

Quelle: sda
veröffentlicht: 9. März 2026 09:28
aktualisiert: 9. März 2026 09:28