Alex Eala begeistert die Philippinen und die Tenniswelt
Für die grossen internationalen Sporterfolge sind die Philippinen nicht bekannt. Es gibt den mehrfachen Box-Weltmeister Manny Pacquiao und die Basketball-Nationalmannschaft, die in den Fünfzigerjahren auf dem WM-Podest stand. Bei den Olympischen Sommerspielen holten die Gewichtheberin Hildilyn Diaz und der Kunstturner Carlos Yulo eben erst in Tokio und Paris die ersten Goldmedaillen. Eine bescheidene Ausbeute für ein Land mit 117 Millionen Einwohner.
Umso erstaunlicher ist die frappante Zunahme in den letzten Monaten an philippinischen Flaggen in den Tennisstadien. Egal, wo Alexandra Eala auftritt, überall sind ihre Fans gut sichtbar auf den Tribünen vertreten, in Miami, Doha, Wimbledon, Paris oder in den vergangenen Tagen in Washington D.C. Die 21-Jährige begeistert und bringt ein ganzes Land inklusive der vielen Auswanderer hinter sich.
In der amerikanischen Hauptstadt gewann Eala nach eindrücklichen Erfolgen gegen Olympiasiegerin Zheng Qinwen, Weltranglisten-Siebte Jelina Switolina, Major-Siegerin Naomi Osaka und die topgesetzte Jessica Pegula das mit 1,64 Millionen Dollar dotierte Turnier. «Danke an alle meine Fans, besonders an die philippinische Gemeinschaft hier in D.C., in der Heimat und überall auf der Welt. Leute, ich spüre all die Liebe», sagte sie nach dem gewonnenen Final am Montag.
Bei Rafael Nadal ausgebildet
Am Anfang der Begeisterung steht natürlich ihr persönlicher Erfolg. Weil Tennis auf den Philippinen nur ein Nischendasein fristete, ging Eala schon mit 13 Jahren nach Spanien, wo sie seither in Mallorca in der Akademie von Rafael Nadal trainiert. Ihr Aufstieg findet bemerkenswert kontinuierlich statt. Mit 12 Jahren gewann sie das berühmte U14-Turnier «Les petits As», mit 14 siegte sie erstmals auf Profi-Niveau, in den Monaten darauf triumphierte sie am US Open bei den Juniorinnen und trat erstmals auf der WTA-Tour an.
So richtig Fahrt nahm Ealas Karriere aber im letzten Jahr auf, als sie in Miami als erste Filipina mit Jelena Ostapenko eine Top-30-Spielerin schlug und in die ersten 100 der Weltrangliste vorstiess. Mit jedem weiteren Erfolg und jeder neuen nationalen Bestmarke wurde ihr Stellenwert in der Heimat grösser. Mittlerweile ist sie bei den Turnierdirektoren weltweit auch deshalb besonders beliebt, weil sie die Massen anzieht.
Ein Zuschauermagnet auf der ganzen Welt
Mark Ein, der Chef des WTA-500-Turniers in Washington D.C., erzählte in der vergangenen Woche vor den versammelten Medienvertretern, wie sehr er und sein Team sich um die erstmalige Teilnahme von Eala am Turnier bemüht hätten und wie sehr sich das ausbezahlt hat: «Im letzten Monat drehten sich gemäss den Leuten vom Ticketverkauf bei uns mindestens 80 Prozent der Anfragen zum Event um die Frage, wann Alex Eala spielt.»
«Wenn man sich die grossartigen Spielerinnen hier ansieht, sagt dies viel über die Fangemeinde von Alex aus. Sie ist zweifellos eine Ikone - nicht nur auf den Philippinen, sondern weltweit. Es gibt eben überall Filipinos», führte Mark Ein aus, der auch im Fussball, American Football und im Baseball unternehmerisch tätig ist. Eala kann mit dem zunehmenden Druck umgehen und geniesst es, ihr Land zu repräsentieren, wie sie versichert: «Ich habe im letzten Jahr viel dazugelernt.»
«Die beste Version von mir selbst»
Im Final am Montag gegen die Einheimische Jessica Pegula gewann Alex Eala die letzten sieben Games zum 4:6, 6:4, 6:0. Die mentale Stärke und die hohe Intensität von der Grundlinie zeichnen die Linkshänderin aus, die bereits bis auf Platz 20 der Weltrangliste vorgestossen ist. Eine Zielmarke will sie nicht ausgeben. In erster Linie gehe es ihr darum, immerzu ihr Spiel zu verbessern, erklärte sie. Das grösste Verbesserungspotenzial hat Alex Eala beim Service, sind sich die Experten auf der WTA-Tour einig.
Einigkeit herrscht auch bezüglich des Potenzials der Aufsteigerin der letzten zwei Saisons. Auf Hartplatz gehört sie wohl bereits zu den Besten der Tour. Das macht sie für das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres, dem US Open Ende des Monats, zu einer Geheimfavoritin. Das neue Tennisidol geht mit den Spekulationen, Vorhersagen und dem Rummel um seine Person gelassen um: «Tennis ist so ein wundervoller Sport, weil er dich auf dem Boden der Realität hält. Du lernst zu verlieren, weil du fast jede Woche verlierst. Ich habe gelernt: Es gibt immer eine, die besser ist als du. Ich versuche also bloss, die beste Version von mir selbst zu sein.»