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Alexander Zverev hat sich die Nummer 1 in diesem Jahr verdient

ATP Schanghai

Alexander Zverev hat sich die Nummer 1 in diesem Jahr verdient

13. Oktober 2026, 15:36 Uhr
Zuoberst angekommen: Alexander Zverev muss nicht mehr zu Jannik Sinner und Carlos Alcaraz aufblicken
© KEYSTONE/EPA/ALEX PLAVEVSKI
Alexander Zverev wird das Tennisjahr als Nummer 1 der Welt beenden. Das hat vor ihm kein Deutscher - nicht einmal Boris Becker - geschafft. Der 29-jährige Hamburger ist am Ende seiner Träume.

Es ist noch kein halbes Jahr her, da wurde Alexander Zverev - je nach Sichtweise schadenfreudig oder mitleidig - als bester Spieler, der nie ein Grand-Slam-Turnier gewann, bezeichnet. Nun hat er mit seinen Triumphen in Paris und am US Open nicht nur diesen Makel gleich doppelt getilgt, seit Montag steht er auch rechnerisch als zweite deutsche Nummer 1 der Weltrangliste nach Boris Becker fest. Zverev hat von günstigen Umständen profitiert, doch er ist eine verdiente Nummer 1.

Spätestens seit Jannik Sinners Ankündigung, dass er in diesem Jahr nicht mehr spielen würde, konnte Zverev der Meilenstein kaum noch entgleiten. Dass er es am Ende kampflos schaffte, weil beim Masters-1000-Turnier in Schanghai mit Carlos Alcaraz der letzte Konkurrent mit einer winzigen Chance, ihn noch abzufangen, verlor, passt zu diesem etwas seltsamen Tennisjahr.

Frühestens am 2. November

Ein klein wenig wird er sich auch noch gedulden müssen, bis er es auch Schwarz auf Weiss hat. Am kommenden Montag kann er den Thron auch mit einem Turniersieg in Schanghai noch nicht besteigen. Das ist frühestens am 2. November möglich, wenn Zverev in China gewinnt und in Wien mindestens die Halbfinals erreicht oder er in Schanghai den Final erreicht und in der österreichischen Hauptstadt siegt. Spätestens am 16. November, vor dem Start der ATP Finals in Turin, ist es aber definitiv so weit. Zverev wird der 30. Spieler seit Einführung 1973 sein, der die Weltrangliste anführt.

Zverevs Talent war früh sichtbar. Mit 20 Jahren gewann der Sohn des ehemaligen sowjetischen Spitzenspielers mit gleichem Namen in Rom sein erstes Masters-1000-Turnier - mit einem deutlichen Finalsieg gegen Novak Djokovic. Eineinhalb Jahre später holte er seinen ersten von bisher zwei Titeln an den ATP Finals der besten acht Spieler des Jahres. Nur auf allerhöchster Stufe - bei den Grand-Slam-Turnieren - wollte es nicht klappen. Je länger je mehr wurde eine mentale Blockade offensichtlich. Ab 2020 bis zum French Open im letzten Mai sammelte Zverev vier verlorene Finals und sieben Halbfinals.

Vorwürfe und Rückschläge

Neben dem Platz sorgten zwei Ex-Freundinnen, mit einer hat er eine Tochter, mit Vorwürfen physischer und psychischer Misshandlungen für Negativ-Schlagzeilen. Im einen Fall kam es nie zu einer Anklage, den anderen regelte er aussergerichtlich und bezahlte eine Geldstrafe von 200'000 Euro, beteuerte aber immer seine Unschuld. Auch drei renommierte Coaches - Juan Carlos Ferrero, Ivan Lendl und David Ferrer - hielten es nicht lange mit dem Hamburger aus. Immer wieder kehrte er zu seinem Vater Alexander senior und Bruder Mischa zurück. Nicht wenige sahen darin eine Unfähigkeit, sich weiterzuentwickeln und neue Wege zu gehen.

Einer, der ihn zum Teil kritisiert, aber immer auch unterstützt hat, ist Boris Becker, der 1991 als bisher einziger Deutscher zwölf Wochen lang die Nummer 1 war, jedoch nicht am Ende eines Jahres. «Er ist in einen sehr illustren Kreis eingetreten», sagte der dreifache Wimbledonsieger in seinem Podcast mit der ehemaligen Profispielerin Andrea Petkovic .«Das wird einem nicht geschenkt.»

Nie in Zweifel gezogen wurde aber Zverevs Arbeitseinstellung. Nach einer Horrorverletzung im Halbfinal des French Open 2022 kehrte er überraschend stark zurück. Im Tiebreak des zweiten Satzes nach bereits weit über drei Stunden knickte er in Paris mit dem Knöchel um und zog sich einen Riss von gleich drei Bändern zu. Der Deutsche musste im Rollstuhl vom Platz gefahren werden und fiel ein halbes Jahr aus. Zur gleichen Zeit gab er bekannt, dass er seit seinem vierten Altersjahr an Diabetes, Typ 1, leidet.

«Es stecken so viel Arbeit und Mühe darin, dieses Ziel zu erreichen», sagte Zverev gegenüber der ATP. «Besonders nach der Rückkehr von der Knöchelverletzung.» In diesem Jahr lachte ihm nun das Glück, ein Lohn für seine Beharrlichkeit. Er habe sich das «im wahrsten Sinn des Wortes erarbeitet» und «über den Kampf zum Spiel gefunden», so Becker. Die beiden Überfliie beiden Überflieger der letzten Jahre, Jannik Sinner und Carlos Alcaraz, verpassten mehrere Monate wegen Verletzungen.

Sinner und Alcaraz seit zwei Jahren nie geschlagen

Zverev nutzte seine Chance und gewann zwei Grand-Slam-Turniere, ohne die beiden schlagen zu müssen. Es ist der «Tolggen» im Reinheft des Deutschen. Alcaraz hat er seit Ende 2024 nicht mehr bezwungen. Noch düsterer sieht seine Bilanz gegen Sinner aus. Gegen den Italiener, den er nun bald als Nummer 1 ablösen wird, hat Zverev seit 2023 in zehn Matches in Folge immer verloren.

Er zeigte sich nach seinem Sieg am US Open durchaus realistisch und bescheiden. «Wenn wir alle drei fit sind, sind sie besser als ich», sagte er. Es ist aber ein entscheidendes Wenn. Der Beste ist eben auch derjenige, der gesund bleibt - und das war in diesem Jahr Zverev. Deshalb ist er die richtige Nummer 1.

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. Oktober 2026 15:36
aktualisiert: 13. Oktober 2026 15:36