Andrejewa gewinnt am French Open ersten Grand-Slam-Titel
Die unerwartete Final-Affiche bot den 15'000 Zuschauern wenig begeisterndes Tennis. Chwalinska, nur die Nummer 114 der Welt, brachte als erste Spielerin ihren Aufschlag durch. Es war das Game zum 3:2, doch danach passte für die erste Qualifikantin in einem French-Open-Final nichts mehr zusammen.
Erst beim Stand von 3:6, 0:5 gewann die 24-jährige Linkshänderin aus dem Bezirk Krakau wieder ein Game. Dazwischen spielte Mirra Andrejewa bei ziemlich windigen Verhältnissen gross auf und wurde ihrer Favoritenrolle eindrücklich gerecht. Die 19-Jährige aus Krasnojarsk in Sibirien war die aggressivere Spielerin und liess Chwalinska kaum Möglichkeiten, ihr bis zum Final so erfrischend variantenreiches Spiel aufzuziehen.
Am Ende flatterten bei Andrejewa angesichts ihres grössten Titels noch etwas die Nerven. Sie gab noch zwei Games ab, nutzte aber nach nur 82 Minuten ihren ersten Matchball.
Die jüngste Siegerin seit Monica Seles
Andrejewa trainiert seit einigen Jahren in Cannes im Süden Frankreichs und wird hauptsächlich von der Spanierin Conchita Martinez, der Wimbledonsiegerin von 1994 und French-Open-Finalistin von 2000, betreut. Vor zwei Jahren stieg die Russin unter anderem dank dem Halbfinal-Einzug in Paris in die Weltspitze auf und konnte sich seither dort etablieren. Auf den ganz grossen Triumph musste sie aber noch ein wenig warten.
Dennoch ist Andrejewa nun mit 19 Jahren und 39 Tagen die jüngste Siegerin am French Open seit Monica Seles vor 36 Jahren. «Davon habe ich geträumt, dieser Ort wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben», meinte die Russin, nachdem sie die Trophäe aus den Händen der letzten französischen Siegerin Mary Pierce erhalten hatte.
Nun ist Andrejewa die vierte Russin, die in Roland Garros triumphiert - nach Anastasia Myskina (2004), Swetlana Kusnezowa (2009) sowie zweimal Maria Scharapowa (2012 und 2014). Es dürfte nicht ihr letzter grosser Titel bleiben, sie bewies in den letzten zwei Wochen enorme Reife für ihr Alter und gab im Turnier nur einen Satz ab.
Chwalinskas «Schuldzuweisung»
Ihren Humor verlor Chwalinska trotz der klaren Finalniederlage nicht. An Andrejewa gerichtet meinte die Polin: «Du bist so jung und so talentiert, das ist ziemlich entnervend.» Dann entschuldigte sie sich bei den Zuschauern. «Ich hätte gewünscht, dass ihr einen besseren Final seht, aber sie war einfach zu stark. Also würde ich sagen: Es war ihr Fehler.»
Chwalinska wird sich mit einem riesigen Sprung in der Weltrangliste auf Platz 21 und 1,4 Millionen Euro Preisgeld trösten können. Mit ihren neun Siegen inklusive Qualifikation hatte sie immer wieder ihre Hotelreservation verlängern und sich dafür Geld borgen müssen. Auch ihre Kleider kauft sie selber - bis jetzt.