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Antonelli vor erstem Heimauftritt als WM-Leader

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Antonelli vor erstem Heimauftritt als WM-Leader

4. September 2026, 08:41 Uhr
Kimi Antonelli geht als WM-Führender ins Heimrennen in Monza
© KEYSTONE/EPA/PETER POWELL
Der Druck der Jäger wächst - und ausgerechnet im Grand Prix von Italien muss Kimi Antonelli vom Ende des Feldes starten. Wie der Führende in der Gesamtwertung damit in Monza umgeht.

Der Karriere von Kimi Antonelli wäre Papa Marco beinahe im Weg gestanden. «Mein Vater wollte nicht, dass ich Rennen fahre, denn Motorsport ist zwar ein wunderbarer Sport, kann aber bisweilen sehr grausam sein. Er hatte das selbst erlebt und befürchtete, dass ich grosse Enttäuschungen erleben könnte», erzählte Antonelli unlängst der italienischen Ausgabe des Magazins «GQ». Zum Glück setzte sich Antonelli junior durch und kommt jetzt als erster italienischer WM-Spitzenreiter seit Alberto Ascari 1953 zum Formel-1-Heimrennen nach Monza.

Bei 59 Punkten Vorsprung auf die ersten Verfolger, Teamkollege George Russell und Lewis Hamilton im Ferrari, sind Antonellis Chancen, jüngster Formel-1-Weltmeister zu werden, weiter bestens. In den Gefühlsrausch der Tifosi, der sonst die Ferrari-Fahrer im Königlichen Park empfängt, dürfte diesmal auch der Fahrer des Teams Mercedes eintauchen können. «Ich freue mich riesig. Ich gehe die Sache definitiv mit einer anderen Einstellung und Denkweise an, und ich habe das Gefühl, dass ich das Wochenende viel mehr geniessen kann», sagte Antonelli.

Rückversetzung wegen Motorwechsel

Bei seiner Premiere in Monza im Vorjahr drehte sich Antonelli im Training von der Strecke, musste im Rennen eine Zeitstrafe in Kauf nehmen und sich mit Platz 9 begnügen. Die Fehler-Serie der Vorsaison aber liegt weit hinter dem Italiener; dank einer steilen Lernkurve und der neuen Auto-Generation dominierte er die erste Phase der laufenden Saison. Zuletzt allerdings holte die Konkurrenz deutlich auf. «Der Job ist noch nicht erledigt. Es muss noch viel passieren. Wir müssen noch vieles erreichen», mahnte Antonelli.

Ganz unsentimental entschieden er und seine Vorgesetzten im Team Mercedes, in Monza eine in den nächsten Rennen unausweichliche Rückversetzung in der Startaufstellung für einen unerlaubten Motorwechsel in Kauf zu nehmen. «In unserem Sport werden keine Sentimentalitäten belohnt», erklärte Teamchef Toto Wolff. «Unsere Berechnungen haben ergeben, dass dies die beste Strecke dafür ist. Natürlich berücksichtigen Algorithmen die Nationalität nicht. Aber wir kämpfen hier um die Meisterschaft und nicht darum, die meiste PR zu bekommen.»

Antonelli startet also vom Ende des Feldes in sein Heimspiel, sein Polster in der Gesamtwertung könnte schmelzen. Betreffend Entwicklung der Autos agierten sie bei Mercedes im Vergleich zu den anderen Top-Teams zuletzt erstaunlich zurückhaltend. Die Konkurrenten Ferrari, Red Bull und vor allem McLaren mit Titelverteidiger Lando Norris haben deutlich aufgeholt.

Norris gewann jüngst in Budapest und Zandvoort und schickt sich an, eine ähnliche Aufholjagd wie im Vorjahr Max Verstappen zu starten. Nach einem grossen Rückstand zur Saisonmitte fehlten dem Niederländer am Ende nur zwei Punkte auf Champion Norris.

«Emotional und mental gestärkt»

«Wir haben nicht das Geld, um Weiterentwicklungen am Auto vorzunehmen», sagte Wolff unter Verweis auf die Budgetgrenze. Erst nach den kommenden Grand-Prix-Wochenenden in Italien, Spanien und Aserbaidschan soll es die nächsten grossen Anpassungen an den Autos mit dem Stern geben. «Als Team müssen wir noch etwas Zeit finden, McLaren hat einen grossen Schritt gemacht», sagte Antonelli.

Wie der Nachfolger von Lewis Hamilton im Team Mercedes mit dem Druck des Gejagten umgeht, ist indes bemerkenswert. Erst seit ein paar Tagen ist Antonelli kein Teenager mehr, im Vergleich zu seiner Debütsaison zeigt er sich jedoch deutlich gereift. «Natürlich muss ich noch viele Erfahrungen sammeln. Aber ich glaube, das letzte Jahr - trotz all der schlechten Momente und schwierigen Phasen - war genau das, was ich brauchte. Es hat mir geholfen, noch stärker zu wachsen, als ich es erwartet hatte. Es hat mich emotional und mental gestärkt», erklärte er.

Abseits der Strecke hat er noch fast kindliche Freude an Streichen etwa mit der Wasserpistole, doch im Auto ist Antonelli ein ganz anderer. «Wenn er in den Rennmodus schaltet, geht er völlig darin auf. Man kann über Funk mit ihm sprechen, aber er hört einen nicht einmal, weil er ganz in seiner eigenen Welt versunken ist», erzählte Wolff. Antonelli habe eine «Doppelnatur» wie einst Ayrton Senna.

Mit solchen Vergleichen hält Antonelli sich nicht auf. «Sei immer du selbst und sei auch in der Lage, das zu geniessen» - diesen Rat hätten ihm andere Sportstars wie Roger Federer gegeben. Antonellis nächster Genussmoment soll auf der Heimaterde von Monza folgen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 4. September 2026 08:41
aktualisiert: 4. September 2026 08:41