BVB-Coach Kovac merkt, dass die Fans mehr wollen
Die Ansagen sind kurz und knackig. «Männer, mit mehr Zug!», «Das muss schneller gehen!», «Konzentration Männer!» In den ersten Trainingseinheiten des Jahres in Marbella in Spanien machte Niko Kovac klar, worauf es bei Borussia Dortmund ankommt. Der Trainer des BVB zieht die Zügel an.
Platz 2 zum Jahreswechsel und sieben Punkte mehr als zum Vorjahreszeitpunkt - alles schön und gut. Obwohl Kovac Borussia Dortmund in seinen ersten elf Monaten als Trainer stabilisiert und zurück in den Kreis der zwei, drei nationalen Spitzenteams hinter Bayern München geführt hat, kam zuletzt Unmut im fordernden und schwierigen Umfeld der Westfalen auf. «Wir haben einige Spiele gehabt, in denen wir in den letzten Sekunden Tore kassiert und dann Punkte liegen gelassen haben», bedauerte der deutsche Nationalspieler Waldemar Anton im Trainingslager.
Der Unmut wächst
Allein in der Bundesliga waren es drei Spiele (1:1 beim HSV, 3:3 gegen Stuttgart, 1:1 in Freiburg), in denen die Dortmunder in der Schlussphase insgesamt sechs Punkte verspielten. Der Rückstand auf die Bayern könnte vor dem Bundesliga-Neustart am Wochenende somit bei nur drei statt satten neun Zählern liegen. In der Champions League kamen zwei weitere verspielte Siege gegen Juventus Turin (4:4) und Bodö/Glimt (2:2) hinzu.
Verweise darauf nerven Kovac neuerdings. Lange Zeit zehrte der Nachfolger von Nuri Sahin davon, den BVB wieder in die Spur bekommen zu haben. Dass der 54-Jährige in der Vorsaison mit einem Schlussspurt die Champions-League-Millionen sicherte und den Klub vor einem ernsten Problem bewahrte, wurde mit einer überraschend vorzeitigen Vertragsverlängerung belohnt.
«Seit April haben wir in den vergangenen neun Monaten nur in Barcelona, gegen Real Madrid bei der Klub-WM, in München, bei Manchester City und gegen Leverkusen verloren», merkte Sportchef Lars Ricken zuletzt im «Kicker» an. «Niko hat sich Vertrauen verdient. Wir wollen mit ihm etwas aufbauen und mit ihm zusammen die Mannschaft weiter verbessern.»
Und darin liegt die Krux. Der Fussball der Westfalen ist selten spektakulär, Ricken selber sprach von einem «pragmatischen» Fussball. Dies wiederum stösst bei den Fans auf Kritik, worauf Kovac zunehmend dünnhäutig reagiert. Etwas erholt über die Feiertage gestand er nun ein, dass «es den einen oder anderen Punkt gibt, wo es noch Luft gibt». Daran wird nun in Marbella gearbeitet. Schon die zweite und dritte Einheit an der Costa del Sol waren geheim.
Nicht mehr nur pragmatisch
Gebetsmühlenartig verweist Kovac zwar darauf, wo Borussia Dortmund vor ihm stand und wo die Mannschaft jetzt steht. Doch er benennt auch die Baustellen. «Mit dem Status quo sind wir nicht unzufrieden. Aber als Trainer will man sich immer verbessern», sagte Kovac in Marbella. «Wir müssen unsere Chancen besser ausspielen. Es geht um Ballmitnahme und solche Dinge.» Anton nannte «taktische Dinge, Standards vielleicht» und generell «einige Themen, die wir aufarbeiten müssen».
Schon am Freitag sind die Dortmunder in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt wieder gefordert. Im Februar geht Kovac in sein zweites Jahr als BVB-Coach - und er merkt, dass die Fans mehr wollen: Spektakel, begeisternden Offensivfussball und auf Sicht wieder Titel.
Nervige Probleme und ein sicherer Kobel
Zum wieder gestiegenen Anspruch kommen kleinere Probleme, die Kovac nerven. Disziplinlosigkeiten seiner Stars, anhaltende Wechselgerüchte um Nico Schlotterbeck oder Debatten über Vertragsverlängerungen von Captain Emre Can, Julian Brandt und Karim Adeyemi belasten das Klima. Unterschwellig gab Kovac zuletzt den Druck an Sportdirektor Sebastian Kehl weiter.
«Das ist seine Aufgabe», sagte der Coach zu den Gesprächen mit Adeyemi und Schlotterbeck, deren Verträge bis 2027 gültig sind. Beide Spieler sollen gehalten werden. «Ich bin davon überzeugt, dass er alles gibt.» Eine unangenehme Aufgabe nahm Kehl dem Trainer in Marbella bereits ab. Zusammen mit Sportchef Lars Ricken büsste er Adeyemi wegen seines Ausrasters nach der vorzeitigen Auswechslung beim 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach kurz vor Weihnachten mit einer fünfstelligen Summe.
Vorerst sorgenfrei sind die Dortmunder auf der Torhüter-Position. Der Vertrag mit Gregor Kobel läuft noch bis übernächsten Sommer. Die Leistungen der Schweizer Nationalspielers im ersten Halbjahr honorierte der «Kicker» wie von 2022 bis 2024 mit der Auszeichnung als bester Torhüter der Bundesliga. Von einer «blitzsauberen Hinrunde» schrieb das Fachmagazin.