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«Des hat mir schon getaugt»

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«Des hat mir schon getaugt»

23. Januar 2026, 05:01 Uhr
Die Jungfernfahrt auf der Streif: Am Mittwoch tastete sich Marco Schwarz an die spektakuläre Piste heran. Am Samstag in der Abfahrt steht er dennoch nicht am Start
© KEYSTONE/EPA/ANNA SZILAGYI
Am Freitag steht Marco Schwarz im Super-G zum ersten Mal in seiner Karriere rennmässig auf der Streif im Einsatz. Dem Starthaus auf dem Hahnenkamm bleibt er trotz Schwärmerei (vorerst) aber fern.

Er überquert die Ziellinie, schwingt ab, winkt bei Kaiserwetter ins Publikum und hebt den Daumen. Wenig später steht Marco Schwarz im Zielraum von Kitzbühel vor den Mikrofonen der Reporter. Eigentlich müsste er gar nichts sagen, sein Strahlen im Gesicht und die leuchtenden Augen beschreiben seinen Gemütszustand treffend. Er wirkt wie ein Kind, das eine Mutprobe bestanden hat. Oder eben so, wie einer, der zum ersten Mal die Streif bezwungen hat.

«A bissl anders als im Fernsehen»

«Als ich bei der Besichtigung das erste Mal zur Mausefalle hingerutscht bin, habe ich mir gedacht: Schaut schon a bissl anders aus als im Fernsehen», sagt Schwarz im Gespräch mit Keystone-SDA und fügt in seinem Kärntner Dialekt an: «Aber ich muss echt sagen: Des war richtig cool, des hat mir richtig getaugt.»

Am liebsten, so der Allrounder, wäre er gleich nochmals hoch- und dann wieder heruntergefahren. Auf die Anmerkung, er könne ja am Samstag nochmals fahren, schüttelt «Blacky» den Kopf. «Für Samstag bin ich nach einer Woche im Bett noch nicht bereit.»

Die Rennen in Wengen am vergangenen Wochenende musste Schwarz aufgrund einer Magen-Darm-Grippe kurzfristig auslassen. Bei den Hahnenkammrennen will er am Freitag im Super-G und am Sonntag im Slalom an den Start gehen. «Heute war ein guter Test, mal schauen, was die Zukunft bringt. Ich bin offen für mehr.»

«Ich kann im Slalom noch nicht loslassen»

So tönt einer, der Blut geleckt hat. An Schwarz gab es im letzten Speed-Rennen des Jahres 2025 kein Vorbeikommen. Er verhinderte im Super-G in Livigno nicht nur einen Schweizer Dreifachsieg durch Alexis Monney, Franjo von Allmen und Marco Odermatt, sondern feierte auch seinen ersten Weltcupsieg überhaupt in einer Speed-Disziplin. Odermatt liess es sich daraufhin nicht nehmen, Schwarz mit einem Augenzwinkern zu empfehlen: «Jetzt kannst du es lassen mit den Slalomski.»

Die Anmerkung geht auf einen Austausch zurück, den die beiden ein paar Tage zuvor in Alta Badia hatten. Dort hatte Schwarz bereits den Riesenslalom gewonnen und damit sein Comeback nach langer Verletzungspause endgültig gekrönt. Nur im Slalom, vor der Verletzung seine Paradedisziplin, läuft es für den Kärntner noch nicht wie gewünscht. Zu Buche steht erst eine Platzierung in den Top Ten. Nachdem er in Madonna di Campiglio sogar die Qualifikation für den zweiten Lauf verpasst hatte, sagte er, er müsse überlegen, wie es in dieser Disziplin weitergehen solle.

Also keine Slaloms mehr für den Mann, der 2021 seine bisher einzige kleine Kristallkugel in dieser Disziplin gewann? «Ich kann noch nicht loslassen. Diese Saison fahre ich die Slaloms sicher fertig. Ich bin überzeugt, dass da noch einiges gehen wird.»

«Vor einigen Jahren war das Gefühl umgekehrt»

Warum es ausgerechnet im Slalom noch nicht aufgeht, während er im Riesenslalom und im Super-G Erfolge feiern konnte, kann sich Schwarz nicht vollständig erklären. «Vor einigen Jahren war das Gefühl genau umgekehrt: Ich bin im Slalom am Start gestanden und habe genau gewusst, was ich zu tun habe. Aktuell bin ich noch ein bisschen am Suchen.» Allerdings, so Schwarz weiter, sei die Dichte im Slalom derzeit «irrsinnig brutal». Man müsse jeweils All-in gehen, um einigermassen mithalten zu können.

Bleiben zwei Disziplinen, in denen Schwarz die Schweizer ärgern kann. Etwas, das er vor seinem schweren Sturz im Dezember 2023 in Bormio regelmässig getan hat. Damals hatte er den Gesamtweltcup sogar vor Odermatt angeführt, es hatte sich ein spannendes Duell angedeutet. Dann erlitt er einen Kreuzband- und Meniskusriss im rechten Knie. Ein Jahr nach dem Unfall war er wieder zurück im Weltcup.

Was es ihm bedeutet, nun wieder vorne mitzumischen, war bereits beim Saisonauftakt in Sölden zu sehen. Nach seinem 2. Rang im Riesenslalom liess er den Freudentränen freien Lauf. «Es ist für mich auch nach den beiden Siegen das emotionalste Ereignis in dieser Saison», sagt Schwarz. In diesem Moment habe er an die vielen Stunden gedacht, die er in der Physiotherapie und im Kraftraum verbracht hatte. An die Geduld, die es gebraucht habe, sich wieder schmerzfrei bewegen zu können und den Spass am Skifahren wiederzufinden. «Und dann, mit der Familie vor Ort, ist alles rausgekommen.»

«Ich habe keine schlechten Gedanken an Bormio»

Dass er Odermatt wie vor seiner Verletzung erneut im Gesamtweltcup fordern kann, sei in dieser Saison unrealistisch. «Es wäre natürlich cool für das ganze Publikum, wenn sich da wieder etwas entfachen liesse. Aber dafür ist Odi in einer zu starken Form und ich noch nicht ganz da, wo ich es mir wünsche», sagt Schwarz. Nachdem er die Rennen in Wengen ausgelassen hat, wurde er im Gesamtweltcup durchgereicht. Derzeit belegt er Platz 7 - mit fast 640 Punkten Rückstand auf Leader Odermatt.

Statt den aussichtslosen Kampf anzunehmen, konzentriert sich Schwarz darauf, Odermatt punktuell herauszufordern und sich weiter seiner Bestform zu nähern. Schliesslich steht mit den Winterspielen ein nächster Höhepunkt unmittelbar bevor. Dass die Rennen ausgerechnet in Bormio stattfinden, ist für Schwarz kein Problem: «Ich bin mit Bormio im Reinen, habe keine schlechten Gedanken an diesen Ort.» Natürlich sei der Schock damals gross gewesen, doch jetzt sei er bereit für eine Revanche.

Ob es im Slalom noch reicht, ist offen, aber im Super-G und Riesenslalom werde er «mit breiter Brust antreten». Und wer weiss, vielleicht lassen die ausbleibenden Resultate der ÖSV-Männer gar einen Start in der Abfahrt zu: «Ich schliesse es nicht aus. Aber für das muss einfach sehr viel zusammenpassen», sagt Schwarz.

Erst aber gilt der volle Fokus seinem ersten rennmässigen Einsatz auf der Streif.

Quelle: sda
veröffentlicht: 23. Januar 2026 05:01
aktualisiert: 23. Januar 2026 05:01