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Die WM 2026 in Zeiten von Krieg und Gigantismus

WM 2026

Die WM 2026 in Zeiten von Krieg und Gigantismus

9. Juni 2026, 05:00 Uhr
Im MetLife Stadium in East Rutherford, der Spielstätte der NFL-Franchisen der New York Giants und der New York Jets, steigt am 19. Juli der Final der Fussball-WM 2026
© KEYSTONE/FR172156 AP/PAMELA SMITH
Inmitten von sozialen und politischen Spannungen beginnt am Donnerstag die Fussball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Das XXL-Turnier sprengt alle Dimensionen.

Erstmals kämpfen vom 11. Juni bis 19. Juli 48 statt 32 Nationalmannschaften um den Titel. Die FIFA verkauft das Turnier als Fest des globalen Fussballs, Kritiker sehen darin vor allem den nächsten Schritt in Richtung Gigantismus. Statt 64 umfasst die WM nun 104 Partien. Gespielt wird an 16 Orten in drei Ländern, die Turnierdauer steigt auf 39 Tage. Der Weltmeister muss künftig fünf statt vier K.o.-Spiele - inklusive Gruppenphase acht Partien - überstehen.

78 Partien und alle Spiele ab den Viertelfinals finden in den USA statt, je 13 in Kanada und Mexiko, darunter das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika am Donnerstag, 21.00 Uhr Schweizer Zeit, im legendenumwobenen Aztekenstadion in Mexico City. Der Final steigt am 19. Juli im MetLife Stadium bei New York, das sich während der WM New-York-New-Jersey-Stadion nennen muss.

Zu Gast bei Donald Trump

Für Donald Trump soll es ein Sommer der Superlative werden. Der US-Präsident feiert drei Tage nach dem WM-Start seinen 80. Geburtstag, und am 4. Juli begehen die USA ihren 250. Tag der Gründung.

Doch die erhoffte Feierlaune ist getrübt: Noch immer stecken die USA im Krieg mit dem Iran, soziale Spannungen begleiten den Alltag im Land und stellen die USA vor eine Zerreissprobe. Auf der Welt herrscht ein Chaos, das Trump mit seinen feindseligen Auftritten, kriegerischen Handlungen und dem Konfrontationskurs mit langjährigen Verbündeten geradezu befeuert.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist das Klima. Mehrere Spielorte liegen in Regionen, in denen im Juni und Juli regelmässig Temperaturen deutlich über 30 Grad herrschen und mit starken Unwettern zu rechnen ist. Bereits vor Turnierbeginn beschäftigte die Hitze Organisatoren und Verbände. Zusätzliche Kühlzonen, Trinkwasserstationen und weitere Schutzmassnahmen sollen Abhilfe schaffen.

Gewinnmaximierung um jeden Preis

Die FIFA hofft dennoch auf ein Sommermärchen und auf Bilder von vollen Stadien. Dem Weltverband beschert das XXL-Turnier - was sonst? - noch mehr Einnahmen. Für ihn überwiegen die Vorteile: mehr Märkte, mehr Fernsehrechte, mehr Sponsoren und mehr Tickets. Auf 13 Milliarden soll sich der Rekordgewinn für die FIFA belaufen, der US-Wirtschaft soll das Turnier einen Mehrwert von 30 Milliarden Dollar bringen.

Besonders die Eintrittspreise sorgen für Diskussionen. Für Spitzenspiele und K.o.-Runden wurden teils vierstellige Dollarbeträge verlangt. Die WM folgt damit dem Trend, den die FIFA bereits an der Klub-WM und an früheren Grossanlässen eingeschlagen hat: Gewinnmaximierung bis zum Äussersten.

Auch die Belastung der Spieler steigt weiter. Die Profis kommen aus einer langen Klubsaison nach Nordamerika, müssen vier Jahre nach der WM in Katar, dem Turnier der kleinen Distanzen, lange Wege bewältigen und im Erfolgsfall ein zusätzliches K.o.-Spiel absolvieren. Die Debatte über den immer volleren internationalen Fussball-Kalender wird so auch während dieser WM nicht verstummen, im Gegenteil.

Schweiz auf einer Mission

Sportlich öffnet die Aufstockung auf 48 Teilnehmer mehr Nationen das Tor zur Endrunde. Mit Jordanien, Kap Verde, Usbekistan und Curaçao sind vier Länder zum ersten Mal dabei. Für Top-Teams bedeutet die Aufstockung in erster Linie eine zusätzliche Belastung. Dem Turnier droht, dass das Gefälle in der Gruppenphase zu gross ist.

Die Schweiz will im XXL-Turnier Geschichte schreiben. Sie soll, so formulierten es Nationalcoach Murat Yakin und die Spieler, ihre beste WM der Neuzeit spielen, sprich in die Viertelfinals vorstossen. Die Gegner in der Gruppenphase sind Katar (13. Juni), Bosnien-Herzegowina (17. Juni) und Gastgeber Kanada (24. Juni).

Seit der WM 1954 hat das Nationalteam die Runde der letzten acht nicht mehr erreicht. An fünf der letzten sechs WM-Teilnahmen war jeweils im Achtelfinal Schluss. Die Ausgangslage an der WM 2026 ist vielversprechend: Die Schweiz qualifizierte sich ungeschlagen und tritt mit einer erfahrenen, eingespielten Mannschaft an.

Quelle: sda
veröffentlicht: 9. Juni 2026 05:00
aktualisiert: 9. Juni 2026 05:00