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Die WM von A wie Akanji bis Z wie Zölle

WM 2026

Die WM von A wie Akanji bis Z wie Zölle

20. Juli 2026, 12:43 Uhr
Gianni Infantino (rechts) versucht, Donald Trump aus dem Bild der feiernden Spanier zu bringen
© KEYSTONE/EPA/WILL OLIVER
Harry Kane wird von einem ghanaischen Spiritualisten verflucht, die Trinkpausen werden entfremdet, Donald Trump schraubt am Reglement: WM-Kuriositäten von A wie Akanji bis Z wie Zölle.

Akanji, Manuel: Verwandelte im Achtelfinal gegen Kolumbien seinen Penalty im Penaltyschiessen nicht - und stand trotzdem wenige Minuten später mit der Schweiz im Viertelfinal. Selten war ein verschossener Penalty schneller vergessen. «Das war mein letzter Penalty», beteuerte der Schweizer Nationalverteidiger dennoch, nachdem er schon an den Europameisterschaften 2021 und 2024 beim Ausscheiden im Viertelfinal gegen Spanien beziehungsweise England vom Penaltypunkt gescheitert war.

Balogun, Folarin: US-Stürmer, der eine Rote Karte erhielt, dann aber von der FIFA begnadigt wurde. Zuvor hatte Donald Trump seinen Kumpel Gianni Infantino angerufen - wohl nicht nur, um sich die Regeln erklären zu lassen («I didn't know what the hell a red card was» - «Ich wusste nicht, was zum Teufel eine Rote Karte war»).

Covered his mouth: Schiedsrichter Ivan Barton zeigte die erste Rote Karte der WM-Geschichte für das Bedecken des Mundes mit der Hand während eines Spielerstreits - auf gebührende Weise. Sein nach einem VAR-Check in bestimmendem Ton vorgetragener Entscheid wurde zum Netz-Hit: «After Review. Number 10. Paraguay. Covered his mouth. Decision is: Red Card!»

Doku, Jérémy: Belgischer Nationalspieler, der zwischendurch von der WM abreiste, um die Geburt seines ersten Kindes zu erleben. Hätte dank der XXL-WM mit teilweise mehr als einer Woche Pause für Nationen eigentlich auch noch in der Heimat heiraten können - war aber nicht nötig, hat er schon.

Eigentor: Traf häufiger als so mancher Stürmer. Insgesamt landete der Ball 14-mal im falschen Tor - so oft wie noch nie an einer WM. Waren es 2022 in Katar nur zwei, wurde der bisherige Rekord von zwölf Eigentoren von 2018 nun übertroffen. Eines der Eigentore ging auf das Konto von Miro Muheim, der gegen Katar einen Ball zum 1:1 ins eigene Tor ablenkte.

Fluch: Nana Kwaku Bonsam heisst der Mann, der Harry Kane so richtig ausschaltete. Zumindest behauptet er das. Der ghanaische Spiritualist kündigte vor dem Spiel der Engländer gegen Ghana an, seine spirituelle Kraft gegen Kane einzusetzen. Nach zwei Treffern zum WM-Start traf Bayerns Starstürmer beim 0:0 dann tatsächlich das Tor nicht. Nach dem Spiel meldete sich Bonsam wieder: Er habe Kane jetzt vom Fluch befreit. «Wir sind wieder Freunde.» Sofort traf Kane wieder. Gegen Panama. Gegen die DR Kongo doppelt. Gegen Mexiko. Gegen Norwegen (okay, hier war es Abseits).

Gruppendritte: Acht von zwölf Gruppendritten kamen an dieser XXL-WM weiter - aber nicht einfach so. Es gab dabei 495 Varianten, auf welche Weise sich die Gruppendritten in den Turnierbaum integrierten. Wie genau das ablief? Das lassen wir hier lieber weg.

Hydration Break: Sollte offiziell bei Hitze den Spielern die Möglichkeit geben, genügend zu trinken. Und inoffiziell den TV-Stationen, mit Werbung noch etwas Geld einzuspielen. Gehörten auch bei 18 Grad zur neuen Standardprozedur. Trainer nutzten die Unterbrüche alsbald für taktische Anpassungen.

Infantino, Gianni: FIFA-Boss, der mehr WM-Spiele besuchte als Kaiser Franz 2006, aber zunächst erstaunlich unauffällig blieb. Doch dann rief Trump an.

Joker: Die XXL-WM machte sie wertvoller denn je. Die Trainer brauchten nicht nur gute Spieler, sondern auch ein glückliches Händchen bei den Einwechslungen. Einige Joker wurden zu Helden – andere zu tragischen Figuren.

Klopp, Jürgen: Magentas grosser Experten-Coup. Versorgte TV-Publikum und Boulevard-Medien 20 Jahre nach seiner ersten Experten-WM beim ZDF noch zuverlässig mit seiner Aura und Sprüchen, fällt fürs nächste Turnier dann aber wohl erst einmal aus.

Les Bleus: Rufname des französischen Starensembles um Mbappé, Dembélé, Olise und Doué: Da - so dachten vor der WM viele - ist fürs DFB-Team im Achtelfinal eh Schluss. Sie irrten sich. Aber nicht wegen Frankreich.

Manzambi, Johan: Schweizer Shootingstar, in den entscheidenden K.o.-Spielen leider verletzt. Mit seinen drei Toren und zwei Vorlagen in den ersten vier Spielen schwang sich der künftige Spieler von Aston Villa an der WM zum Schweizer Rekordtransfer auf. Genug, um den Buchstaben M dem 20-jährigen Romand zu widmen und nicht Lionel Messi.

Noch: Kleines Adverb, das Jürgen Klopp auf fatale Weise nachschob, nachdem er als TV-Experte den Satz «Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf» gesagt hatte. Die Aufregung war gross, Klopps Reue auch: «Ich hätte mir dafür aufs Maul hauen können.»

Oasis: Britpop-Band, deren Hymne «Wonderwall» die Engländer endlich zum Triumph führen sollte. Schwierig, wenn in dem Lied doch nur vielleicht («Maybeee») jemand zum Heilsbringer wird. Hat folglich natürlich nicht geklappt. Übrigens: Die Fan-Hymne «Three Lions (Football's Coming Home)» erschien 30 Jahre nach dem WM-Titel 1966. Die Zeitspanne zwischen dem Schwarz-Weiss-Final von einst und 1996 ist nun geringer als die zwischen 1996 und 2026.

Penalty: 21 von insgesamt 60 Penaltys wurden nicht verwandelt, darunter jener von Manuel Akanji im gewonnenen Penaltyschiessen der Schweiz gegen Kolumbien. Eine vergleichbar schlechte Erfolgsquote (knapp 65 Prozent) gab es an einer WM-Endrunde noch nie. Von 17 Penaltys in der regulären Spielzeit inklusive Verlängerung ergaben 11 kein Tor.

Qualifikation: Langsam vom Aussterben bedrohter Wettbewerb auf dem Weg zur XXL-WM, weil Infantino eine Endrunde mit 64 Teams nicht mehr ausschliesst. Es locken tatsächlich unerschlossene Märkte: Acht der zehn bevölkerungsstärksten Länder der Welt fehlten an der WM. Ja, und Italien natürlich auch.

Ro!: Ausruf beim Viking Row, die norwegische Antwort auf die Prozeduren aus Island (Viking Clap, «Huh») und den Niederlanden («Naar links! Naar rechts»). Alle Norweger - im Stadion und sogar im Parlament - ruderten mit. Nur Emil Lappen nicht. «Ich finde das einfach total dumm», schimpfte der norwegische Fan - und sah historische Unschärfen: «Es ist sachlich falsch. Sie sind nicht gerudert, sie sind über den Atlantik gesegelt.»

Siuuu!: CR7-Torjubelruf. Von allen Superstars ist die WM-Geschichte von Cristiano Ronaldo am schnellsten erzählt. Dreimal machte es «Siuuu» im Stadion, zweimal beim 5:0 gegen Usbekistan, einmal beim 2:1 gegen Kroatien. Danach kam nicht mehr viel - und das ganz ohne Fluch. Ronaldo bleibt an einer WM ungekrönt - und da setzt selbst Klopp kein «noch» mehr.

Trump, Donald: US-Präsident und erster FIFA-Friedenspreisträger der Geschichte. Liess sich erst im Final im Stadion blicken, weil er unter anderem Kriege zu führen hatte. Gab sich aber interessiert, als er sich bei Infantino wegen einer Roten Karte für Balogun erkundigte. Und liess sich von Infantino nur mit Mühe aus dem Siegerbild der Spanier eskortieren.

Underdogs: Teilnehmer dank der XXL-WM, die hübsche Geschichten lieferten. Kap Verde etwa holte dank Vozinha ein 0:0 gegen Spanien und brachte Argentinien in einem epischen Sechzehntelfinal (ja, «episch» und «Sechzehntelfinal» mit vollem Ernst in einem Satz) an den Rand einer Niederlage, «The Athletic» kürte die Partie zum Spiel der WM zu diesem Zeitpunkt. Die Demokratische Rebuplik Kongo brachte England in grosse Not. Was wäre möglich gewesen, hätte Nana Kwaku Bonsam nicht den Fluch für Kane aufgehoben?

Vozinha: 40 Jahre alter Torhüter der Underdogs von Kap Verde, der vor der WM Zehntausende Instagram-Follower hatte. Hielt dann gegen Spanien und im weiteren Turnierverlauf so viele Bälle, dass ihn mittlerweile 27 Millionen Menschen abonniert haben. Ist jetzt der Torhüter mit den meisten Followern weltweit.

Weltreise: Die erste WM mit 48 Teams wurde auch zum logistischen Experiment. Manche Mannschaften legten Tausende Kilometer zurück. Auch Fans mussten sich auf enorme Distanzen zwischen den Spielorten einstellen.

XXL-WM: 104 Spiele, eine Vorrunde mit 72 Spielen samt Gruppendritten-Ranking für Freunde der Mathematik. Am Ende geriet es unterhaltsamer als gedacht, siehe Underdogs. Und Doku konnte zur Geburt seines Kindes.

Yamal, Lamine: Mit dem Y recht alternativloser Kandidat für ein ABC. Aufgedrängt hätte sich auch Yamals dreijähriger Bruder Keyne, der im Stadion bei Spaniens Viertelfinal mit seinem «Vamooos»-Torjubel für eine herrliche Szene sorgte.

Zölle: Die Einreise zur WM wurde für manche Fans und Delegationen zur Geduldsprobe. Lange Kontrollen, Visa-Probleme und politische Spannungen machten den Weg ins Stadion teilweise schwieriger als der Weg durch die Vorrunde.

Quelle: sda
veröffentlicht: 20. Juli 2026 12:43
aktualisiert: 20. Juli 2026 12:43