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Gennaro Gattusos Team vor entscheidenden Tagen

WM-Playoffs

Gennaro Gattusos Team vor entscheidenden Tagen

26. März 2026, 05:00 Uhr
Gennaro Gattuso gibt vor dem Spiel gegen Nordirland Auskunft
© KEYSTONE/AP
Vier Weltmeister-Titel hat Italien schon. Nun droht die stolze Fussball-Nation, die dritte WM nacheinander zu verpassen. Die Stimmung ist angespannt. Der Verbandspräsident spricht über Reformen.

Vor den Playoffs gibt sich Gennaro Gattuso betont entspannt und selbstbewusst. «Jeder weiss, was für uns auf dem Spiel steht und wie wichtig dieses Spiel für uns ist. Wir tun, was wir tun müssen, mit grosser Gelassenheit», sagte der italienische Nationaltrainer und Weltmeister von 2006 vor dem Halbfinal-Showdown gegen Nordirland.

Italien droht zum dritten Mal nacheinander die WM-Endrunde zu verpassen. 48 Mannschaften beim Mega-Event in den USA, Kanada und Mexiko und die Squadra Azzurra ist nicht dabei? Für den vierfachen Weltmeister wäre das eine sportliche Katastrophe.

Gattuso: «Ich glaube fest an diese Mannschaft»

Gattuso weiss das natürlich. Und vielleicht redet der 48-Jährige, der seine Trainerkarriere beim FC Sion begonnen hat, genau deshalb sein Team stark. «Diese Spieler sind keine Anfänger. Sie haben viel gewonnen, sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft», sagte er im Trainingslager in Florenz. «Ich glaube fest an diese Mannschaft. Wir haben eine grosse Chance, und wir wollen keine Ausreden.»

Die wollen die italienischen Fans auch nicht. Unter vielen Anhängern ist die Stimmung skeptisch und angespannt. Schon in der Gruppenphase sahen sich die Nationalspieler mehrmals heftigen Unmutsbekundungen ausgesetzt.

Beim späten 2:0-Sieg in der Republik Moldau sprach Gattuso in diesem Zusammenhang noch von einer Schande, nach der demütigenden 1:4-Niederlage zum Abschluss gegen Gruppensieger Norwegen bat er um Verzeihung. Der frühere Mittelfeldspieler verantwortet seit dem vergangenen Sommer eine Auswahl, die schon länger im Tief steckt.

Schlechte Erfahrungen mit Playoffs

«Im Sport dreht sich alles um Zyklen, aber dieser im Fussball dauert schon viel zu lange», sagte Italiens Sportminister Andrea Abodi jüngst. Quasi eine ganze Generation italienischer Kinder hat keine Erinnerungen an ein WM-Spiel ihrer Nationalmannschaft.

«Für Generationen von Italienern war die Weltmeisterschaft die Zeit, in der das Land zusammenkam und unsere Flagge schwenkte», sagte Abodi der Zeitung «La Stampa» und ergänzte: «Unser Nationalgefühl geht heute über den Fussball hinaus, aber es wäre trotzdem schön, diese Emotionen mit jüngeren Fans zu teilen.»

Die bis dato letzte Partie der Italiener bei einer WM-Endrunde war das 0:1 gegen Uruguay am 24. Juni 2014 in Brasilien. Der viermalige Weltmeister schied in der Gruppenphase aus. 2018 scheiterte die Squadra Azzurra in den Playoffs der Qualifikation an Schweden. Vier Jahre später bedeutete eine Niederlage gegen Nordmazedonien das Ende aller WM-Träume.

Wales oder Bosnien-Herzegowina wäre der Finalgegner

Der Negativtrend, der durch den überraschenden Titel bei der Europameisterschaft 2021 kurz unterbrochen wurde, hat in Italien Diskussionen angestossen, die weit über die Nationalmannschaft hinausgehen. Mit einem neuen Nachwuchskonzept will Verbandspräsident Gabriele Gravina den italienischen Fussball nach vorne bringen.

Aus seiner Sicht werde bislang zu viel Wert auf Taktik gelegt. Man müsse sich von defensiven Herangehensweisen lösen, bei denen das «Gewinnen um jeden Preis» im Vordergrund steht, erklärte er. Kurzfristig hilft das jedoch natürlich nicht und auch Gravina würde wohl auch Erfolge in den Playoffs gerne nehmen, die nicht schön herausgespielt sind.

Setzen sich die Italiener am Donnerstag in Bergamo gegen Nordirland durch, heisst der Gegner im Final am kommenden Dienstag entweder Wales oder Bosnien-Herzegowina. Gegen Nordirland hat Italien seit 1958 nicht mehr verloren. Sechs Siege und zwei Unentschieden gab es seitdem. In den letzten sieben Partien davon blieb Italien ohne Gegentor.

Klappt es mit der Qualifikation, trifft Gattusos Team bei der WM in der Gruppe B auf die Schweiz, Kanada und Katar.

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. März 2026 05:00
aktualisiert: 26. März 2026 05:00