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Keine Ehrfurcht vor grossen Namen

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Keine Ehrfurcht vor grossen Namen

12. Februar 2026, 05:01 Uhr
Mit Schwung ins Olympia-Turnier: «Wir können jeden Gegner schlagen», sagt der Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer
© KEYSTONE/EPA/SALVATORE DI NOLFI
Patrick Fischer ist der Architekt der Schweizer Hausse im Welt-Eishockey. Auf seiner Abschiedstournee will der Nationaltrainer mit seinem Team nun endlich auch auf der grössten Bühne liefern.

Nach einer kurzen, intensiven Vorbereitung beginnt für das Nationalteam der Männer am Donnerstagmittag mit dem Spiel gegen Frankreich (12.10 Uhr) das olympische Turnier. Erstmals in seiner über zehnjährigen Amtszeit stehen Patrick Fischer beim Rendezvous der Besten der Besten sämtliche NHL-Stars zur Verfügung. «Es ist ein unglaublich schönes Gefühl», sagt der Zuger, der als Headcoach drei WM-Silbermedaillen verantwortet und nach der Heim-WM im Mai abtreten wird, zwei Tage vor dem Turnierstart.

Mit dem Erreichen der letzten beiden WM-Finals sind die eigenen Ansprüche, aber auch die Erwartungen von aussen gestiegen. An Olympischen Spielen allerdings blieb der grosse Wurf unter Fischer bislang aus. 2018 scheiterte die Schweiz im Achtelfinal an Erzrivale Deutschland, 2022 im Viertelfinal am späteren Olympiasieger Finnland. «Unser Ziel ist es, das hier zu ändern», sagt Fischer, der 2002 und 2006 selbst zweimal als Spieler am Olympia-Turnier teilgenommen hat.

Die verkürzte Vorbereitungszeit betrachtet er als Herausforderung, «aber das ist für alle Teams gleich». Entscheidend sei, dass die Schweiz in den letzten Jahren als Gruppe gereift sei. «Wir haben in den letzten Jahren viel Zeit miteinander verbracht. In unserem Teamprozess sind wir sicher nicht die Letzten, das ist ein Vorteil.»

Während die mit lauter NHL-Spielern gespickten Teams aus Kanada, USA und Schweden als Favoriten gelten, sieht Roman Josi keinen Grund, dass sich die Schweiz verstecken muss. «Mit unserem Kader und unserer Erfahrung haben wir ein sehr gesundes Selbstvertrauen. Unsere grösste Stärke ist, dass wir als Team auftreten. Wir müssen als Team gewinnen», sagt der Berner Verteidiger mit der Erfahrung von über 1000 NHL-Spielen, der das Schweizer Team in Mailand als Captain anführen wird.

An der eigenen DNA festhalten

Über den Viertelfinal ist die Schweiz seit dem Gewinn von Olympia-Bronze 1948 in St. Moritz nicht hinausgekommen. Entsprechend wäre eine Medaille eine Sensation. Fischer sieht sein Team in einer gefährlichen Aussenseiterrolle, das, wie er seit Tag 1 an vorlebt, immer nach dem Maximum strebt. «Wir wollen im Moment bleiben und jeden Tag alles investieren, um erfolgreiches Eishockey zu spielen.» Vom Hype um «das grösste Turnier der Geschichte» wolle man sich nicht ablenken lassen. «Wir müssen keine Zaubertricks versuchen, um ein Grossen zu schlagen. Wir gehören zu den Grossen, das ist Fakt.»

Das gewachsene Selbstverständnis zeigt sich auch in der Spielidee. Unter Fischer hat die Schweiz über die Jahre eine DNA erarbeitet. «Wir wissen, wie wir spielen wollen». Er selbst stehe für mutiges, offensives Eishockey. "Ich bin einer, der gerne attackiert und nach vorne spielt. Mit diesem Kader ist das möglich. Gleichzeitig verfüge die Mannschaft über genügend Tempo und Physis, um auch auf dem kleineren Eisfeld zu bestehen.

Die Konstanz an Weltmeisterschaften untermauert den Anspruch. «In den letzten 30 WM-Gruppenspielen haben wir nur einmal nach 60 Minuten verloren. Wir wissen, wie man gewinnt», sagt Fischer. Dieses Wissen gibt Sicherheit. «Wenn wir unser Potenzial abrufen, können wir jeden Gegner schlagen.»

Gleichzeitig mahnt er zu Geduld. «Wir dürfen nicht erwarten, dass im ersten Spiel alles perfekt läuft. Wir müssen im Turnier wachsen - und zwar schnell.» Als grosse Herausforderung sieht er, den Fokus zu behalten. " Mit dem ganzen Drumherum an Olympia sei das «nicht immer einfach».

«Es gibt keine einfachen Partien»

Zum Auftakt gegen Frankreich, dem auf dem Papier schwächsten der drei Vorrundengegner, geht die Schweiz als Favorit ins Spiel. Fischer warnt dennoch: «An Olympia gibt es keine einfachen Partien.» Mit dem ehemaligen ZSC-Stürmer Alexandre Texier verfügt das französische Team nur über einen NHL-Spieler, sieben Akteure verdienen ihr Geld in der Schweiz. Gecoacht werden die Franzosen vom früheren Servette-Trainer Yorick Treille, ihm stehen mit Cristobal Huet und Ivano Zanatta zwei in der Schweiz bestens bekannte Assistenten zur Verfügung.

Wie gut die Ausgangslage für die K.o.-Phase sein wird, dürfte sich in den folgenden Partien gegen Kanada und Tschechien entscheiden. Spätestens dann zeigt sich, wo die Schweiz im Konzert der Grossen steht.

Auf wen Fischer im Auftaktspiel auf der Goalieposition setzt, wollte er nicht verraten. Vieles deutet darauf hin, dass Leonardo Genoni, der MVP der letzten WM, gegenüber Akira Schmid den Vorzug erhält, während Reto Berra die Rolle des dritten Torhüters einnehmen dürfte. Fischer plant zudem, seine neun Feldspieler aus der NHL nicht auf alle vier Linie zu verteilen. Doch eines ist klar: An einem Turnier dieser Dichte, braucht es jeden einzelnen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 12. Februar 2026 05:01
aktualisiert: 12. Februar 2026 05:01