Königsetappe am gefürchteten Mont Ventoux
Inmitten der beängstigenden Mondlandschaft fiel Tom Simpson einst ohnmächtig vom Rad und wachte nie wieder auf. Lance Armstrong und Marco Pantani lieferten sich hier ein atemberaubendes Kletterduell. Und Chris Froome musste nach einem spektakulären Malheur mit einem TV-Motorrad gar mal einen unfreiwilligen Berglauf einlegen.
Willkommen am Mont Ventoux, dem Berg des Schreckens, dem Riesen der Provence. 1910 m hoch, Rampen mit bis zu 15 Prozent Steigung, die zu einer Wetterstation auf dem Gipfel führen. Es gibt kaum einen Berg, der den Radprofis derart viel Respekt einflösst wie dieser Koloss aus Kalkstein.
Am Freitag nehmen erstmals auch die Frauen bei einer Tour de France den Mythos in Angriff. Die Königsetappe umfasst 3565 Höhenmeter und dürfte die Entscheidung im Kampf um den Gesamtsieg massgeblich prägen. Gefahren wird die klassische und anspruchsvollere Südauffahrt von Bédoin aus, um den Mont Ventoux zu erklimmen.
Die Tour-Direktorin Marion Rousse ist überzeugt, dass der Frauenradsport inzwischen auch vor den anspruchsvollsten Anstiegen nicht mehr zurückschrecken muss: «Ich glaube nicht, dass es heute noch einen Berg gibt, der für den Frauenradsport zu schwierig ist. Das Leistungsniveau wird immer ausgeglichener. Es gibt keine Anstiege mehr, die wir auslassen, weil wir befürchten, sie seien zu schwer oder würden zu grosse Zeitabstände verursachen.»
Zur Erinnerung: Die Frauen hatten im Rahmen der Tour de France beispielsweise 2024 die Alpe d'Huez im Programm. Die finale Etappe sorgte für einen packenden Sekundenkrimi in den 21 Kehren. Die Niederländerin Demi Vollering stürmte den Berg am schnellsten hinauf, aber letztlich fehlten ihr vier Sekunden für den Gesamtsieg.