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Repond nach monatelanger Leidenszeit für EM bereit

Eiskunstlauf

Repond nach monatelanger Leidenszeit für EM bereit

14. Januar 2026, 05:00 Uhr
Kimmy Repond hat eine wahre Tortur hinter sich
© KEYSTONE/EPA/CJ GUNTHER
Kimmy Repond bestreitet an der EM in Sheffield den ersten Wettkampf der Saison. Sie hat eine Tortur aus monatelangen Schmerzen und falschen Diagnosen hinter sich.

Mitte November ist die Gefühlslage bei Kimmy Repond noch eine ganz andere: Der Olympia-Traum droht zu platzen. Eine Operation am linken Fuss scheint unumgänglich. Zuvor hatte die 19-jährige Baslerin zahlreiche Fachpersonen aufgesucht, doch sie erhielt unterschiedliche Diagnosen - niemand wusste genau, worauf die Schmerzen zurückzuführen waren.

Als Auslöser vermutet Repond einen notwendigen Wechsel des Schlittschuhs im November 2024. Normalerweise läuft sie diesen erst einmal ein, bis er etwas weicher ist. Doch weil kurz darauf die Schweizer Meisterschaften stattfinden, fängt sie sofort mit Sprüngen an. Es tut zwar etwas weh, doch es ist aushaltbar. Sie wird zum zweiten Mal in Folge Schweizer Meisterin, verpasst an der EM als Vierte knapp eine Medaille und beendet die Saison mit Rang 12 an der WM.

Ein Auf und Ab

Unmittelbar nach der WM nehmen die Schmerzen drastisch zu. Repond geht nach Mexiko in die Ferien und hofft, dass es danach besser ist. Doch als sie wieder zu springen beginnt, kehren die Probleme zurück. Es ist fortan ein Auf und Ab, doch die Schmerzen verschwinden nie ganz. «Zunächst konnte ich den Flip und den Lutz nicht mehr machen», erzählt Repond im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dann sei der Rittberger dazugekommen. Später habe es bei allen Landungen wehgetan. «Es wurde also immer schlimmer und schlimmer. Ich versuchte, mich so gut wie möglich in Form zu halten und immer irgendwie zu trainieren, ging mehrmals am Tag ins Gym.»

Auf dem Eis übt sie, was möglich ist, bis nichts mehr geht. «Das war so im September, Oktober», erinnert sich die EM-Dritte von 2023. «Ich versuchte alles, was möglich war, doch keine Behandlung sprach an. Ich bin zwar ein optimistischer Mensch, das war aber schon eine extrem schwierige Zeit. Erstens machte es mich enorm traurig, dass ich keine Wettkämpfe bestreiten konnte. Und dann natürlich die Olympischen Spiele, die in diesem Jahr stattfinden. Ich stellte mir auch die Frage, ob ich irgendwann überhaupt wieder springen kann.»

Endlich richtige Diagnose

Zwar weiss Repond bereits, was sie nach dem Ende der Karriere machen möchte, nämlich Medizin studieren. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das für sie jedoch ein Müssen, «weil Eiskunstlaufen das ist, was ich liebe.» Deshalb sucht sie weiter nach Lösungen. Und am Tag vor der geplanten Operation wird dann endlich die richtige Diagnose gestellt - ein Eingriff ist nicht nötig. «Das Problem war nicht am Knochen oder an der Sehne, wie man zuerst dachte, sondern an einer anderen Stelle. Und alles war extrem entzündet», sagt Repond. Sie erhält eine Cortison-Spritze - «diesmal am richtigen Ort.»

Danach ist keine weitere Spritze mehr nötig und Physiotherapie genügt. Seit einem Monat ist Repond wieder voll im Training. Zwar bleibt nicht viel Zeit bis zur EM - das Kurzprogramm findet am Mittwoch statt -, doch die Vorbereitungen laufen gut. «Ich hätte nicht gedacht, dass die Sprünge so rasch wieder funktionieren.» Jedoch sei sie noch nicht auf dem gleichen Niveau wie im März (an der WM), so Repond. Sie hat 2023 die Schule beendet und ist seither Profi.

Erachtet Top 6 an EM als realistisch

Dennoch ist die Rückkehr zum normalen Training nicht einfach, da es für sie quasi von null auf 100 geht. Zudem muss sie noch die Schlittschuhmarke wechseln. Alles tut ihr weh. «Die Knochen der Füsse haben sich extrem entzündet, ich musste Antibiotika nehmen. Aber seit etwa einer Woche geht es besser. Aktuell habe ich keine Schmerzen», sagt Repond am Sonntag, am Tag des Abflugs nach Sheffield. Sie ist stolz darauf, dass sie sich nie gehen lässt und stets dran bleibt.

Trotz der schwierigen Zeit erachtet sie eine Top-6-Klassierung an der EM als realistisch. Repond möchte sich aber nicht allzu viel Druck auferlegen und in erster Linie zwei saubere Auftritte präsentieren. Beim Kurzprogramm zu orientalischer Musik zeigt sie eine neue Seite: Es habe am Anfang etwas Überwindung gebraucht, in der Olympiasaison in einem neuen Stil zu laufen. «Aber das Programm gefällt mir enorm, und ich freue mich sehr, es zu zeigen. Die Kür ist klassischer.»

Repond hofft, an den Olympischen Spielen wieder in Topform zu sein. In Mailand strebt sie den Sprung in die Top 8 und damit den Gewinn eines Diploms an. Dann hätten sich all die Strapazen definitiv gelohnt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 14. Januar 2026 05:00
aktualisiert: 14. Januar 2026 05:00